Christina/ April 14, 2012/ Kultur

Dialogische Existenz-Indentität in einer globalen Welt„, so lautete der Titel des gestrigen Workshops, organisiert vom Sozialwissenschaftlichen Studienkreis für Interkulturelle Perspektiven e.V. (SSIP). Die Rolle der „Dialogischen Existenz“ wird in diesem Kontext als Dialog zwischen den Kulturen, genauer gesagt zwischen den Religionen der Kulturen verstanden. Vier Vorträge, zumeist als praktische Erfahrungsberichte gestaltet, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Dr. Armin Triebel, Vorsitzender des SSIP führte mit einem Vortrag zur Geschichte des SSIP in das Tagesprogramm ein. Der SSIP ist in seinem Selbstverständnis eine Nichtregierungsorganisation (NGO), gegründet 1959 mit dem Anspruch „Austausch zwischen den Kulturen auf gleicher Augenhöhe“ anzubieten. In seiner Einführung skizzierte Triebel die Entwicklung der so genannten Vorurteilsforschung vom Ausgang des 18. Jahrhunderts als die Vorstellung eines „Nationalcharakters“ durch Herder entstand. Der Kulturbegriff wurde damals verstanden als „eine Nation = eine Kultur (Homogenitätsbegriff). Dieses „Denkmodell der homogenen Kultur“ steht in der empirischen Sozialpsychologie zusammen mit dem Phänomen des Ethnozentrismus und der Ethnisierung durch Kulturalisten in der Kritik. Aktuell sei eine Ethnisierung in der religiösen Dimension zu beobachten, so Triebel weiter. Daraus ergeben sich fünf Konsequenzen:

  1. Kollektive Identität („Wir-Gruppen“) ist nicht primordial, sondern entsteht in Bezug auf andere Gruppen bzw. in Abgrenzung zu diesen.
  2. Kulturen haben Diskurscharakter (Bedeutungen entstehen in Diskursen)
  3. Identitäten in Individuen können wechseln (Switching)
  4. Die Erfahrung des Fremden ist nie direkt zu gewinnen, das Fremde wird vielmehr imaginiert (z.B. in der Kopftuchdebatte, interpretiert wird über Filter, wie z.B. die Medien)
  5. Kulturen verlieren in dieser Perspektive ihren Bezug zu einem bestimmten Ort (Grenzüberschreitung)

So sei die Frage zu stellen, wie sich das „Dazwischen“, das „interkulturelle“ beschreiben lasse und was dort zwischen den Menschen passiere. Triebel schloss seine einleitenden Worte mit Homi Bhaba: Kulturen seien als Flure und Treppenhäuser eines Hauses zu verstehen, dort, wo sich die Menschen begegneten. Im Verständnis der „Dialogischen Existenz“ sei die Frage zu stellen, wie man Lernprozesse organisiere, die politisch wirksam werden.

In vier Vorträgen schilderten die Referenten unterschiedlicher Begegnungen, Auseinandersetzungen und Erfahrungen mit interkulturellen Dialogen. In folgenden Punkten überschnitten sich die Vorträge:

  • Jede Person hat eine „Kern“-Identität, die durch interkulturelle Erfahrungen (‚bricolage‘) erweitert wird
  • Die Voraussetzung eine gelingenden interkulturellen Dialogs sind die Dialogfähigkeit und der Willen zum Dialog
  • Die Entstehung neuer Kulturen ist zeit- aber nicht ortsgebunden
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