Christina/ Januar 9, 2022/ Alltagsgeschichten

Mit unserer Tour im Dorm rund um den Ort Groß Steinum begegeben wir uns an diesem Samstag auf eine geologische Zeitreise. Es stehen zwei sogenannte Großsteingräber auf dem Plan. Das größte, noch an seinem Originalplatz liegende Großsteingrab, die Lübbensteine, hatte ich bereits vor 1,5 Jahren per Fahrrad besucht. Auch damals war ich schon an den Bockshornklippen in Groß Steinum vorbeigekommen. Das Großsteingrab am Ortsrand allerdings hatte ich “links” liegen gelassen. Heute steht es im Fokus unseres Ausflugs in das Braunschweiger Land.

Schwarzbrennerei?
Wir parken unser Auto kurz vor Süpplingenburg auf einem Feldweg. Bei strahlendem Sonnenschein und kalten Temperaturen gehen wir von hier aus ein kurzes Stück auf der Kreisstraße 12. Dann biegen wir rechts in den Dorm ein. Gleich zu Beginn des Weges erwartet uns ein erstes Highlight: der Waldsee. Still und starr liegt er da in der Sonne. Nach einem kurzen achtsamen Päuschen geht es geradeaus tiefer in den Wald hinein. Hinter einer Linksbiegung sehen wir es dann auf der rechten Seite: das Haus im Dorm. Neugierig rücken wir etwas näher heran. Wir fragen uns, was in diesem Backsteingebäude wohl vor sich geht? Ich stelle mir eine Schnapsbrennerei vor – das hat irgendetwas Geheimnisvolles.

Begegnung an den Bockshornklippen
Oberhalb von Groß Steinum legen wir auf einer schönen, neuen Holzbank eine erste Pause ein. Wir holen unsere Thermoskannen hervor und genießen den herrlichen Blick auf Ort. Obwohl es die Wanderstrecke eigentlich nicht vorsieht, möchte ich nach Groß Steinum gehen und nochmals die Bockshornklippe besuchen. Gerade als wir dort ankommen und ich erste Fotos schieße laufen uns zufällig zwei bekannte Gesichter über den Weg. Gerne nehmen wir die Einladung zum Kaffee auf der Terrasse an und gönnen uns ein weiteres Päuschen im schon recht warmen Sonnenschein.

Der Ottifant an der Steinkammer
Wir haben noch ungefähr 10 Kilometer vor uns. Die Sonne wird in zwei Stunden untergehen, also (leider) Zeit zum Aufbruch. Wir steigen wieder in den Dorm auf uns folgen dem Weg zum Großsteingrab. Es ist ein wunderschöner Pfad entlang der Waldkante. Das Laub leuchtet in intensiven rot-braun Tönen, hinter uns liegt die Silhouette von Groß Steinum. Dann erreichen wir linker Hand die Steinkammer am Dorm. Der Sage nach soll hier ein Riesenkönig begraben sein. 3500 v. Chr. soll dieses Grab entstanden sein – allerdings nicht an dieser Stelle. Die Steine wurde im Jahr 1952 vom Acker in Groß Steinum an ihren jetzigen Ort verlegt. Allein die Lübbensteine bei Helmstedt, so lesen wir, sind die einzigen erhaltenen Großsteingräber, die noch an ihrem ursprünglichen Ort liegen.

An dem Großsteingrab befindet sich auch eine Stempelstelle. Leider verfügen wir nicht über das entsprechende Stempelheft. Ich werfe trotzdem einen Blick in den Stempelkasten und erlebe eine Überraschung: Neben dem Stempel befinden sich sowohl ein Ottifant als auch ein paar Babysöckchen in der Box. Nanu, an dieser Stelle wird doch nicht wohl ein neuer Erdenbürger entstanden sein? Schmunzelnd gehen wir weiter, denn die Zeit drängt ja, bekanntlich.

Buntsandstein – Erdgeschichte im Braunschweiger Land
Von der Steinkammer führt ein steiler Weg zurück in den Wald. Auf dem Pfad nach unten ist tatsächlich etwas Geschick gefragt, zum Glück ist das Laub nicht allzu rutschig. Nach einiger Zeit erreichen wir rechter Hand ein letztes geologisches Highlight, den Buntsandstein. Über die Informationstafel vor Ort erfahren wir, dass es eine Buntsandsteinzeit gegeben haben muss und dass der Salzaufstieg die typischen Gesteine dieser Zeit wohl wieder zutage gebracht hat.

Der Rest des Weges verläuft relativ unspektakulär auf Waldwegen im Dorm. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir dann wieder am Auto und blicken auf eine wirklich schöne, abwechslungs- und lehrreiche Wandertour zurück.

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