Lost Place Sorge: Die Johanniter Heilstätten
Sie üben auf viele Menschen eine große Faszination aus: die sogenannten Lost Places. Verlassene Plätze, Gebäude usw., die einen morbiden Charme ausstrahlen und einen auf Entdeckungsreise gehen lassen. Sicherlich steckt da auch viel Fantasie drin. Schließlich kann man diesen vor Ort unbedingt freien Lauf lassen. Konkret geht es hier um einen Besuch der ehemaligen Johanniter-Heilstätten im Harz, genauer gesagt in Sorge. Mir waren diese noch nicht bekannt, aber eine kurze Internetrecherche klärt mich darüber auf, dass dieser Lost Place wohl einer der bekanntesten verlassenen Plätze im Harz ist. Über die Geschichte desselbigen möchte ich an dieser Stelle gar nicht so viele Worte verlieren, das haben andere schon für mich erledigt:-) Letztendlich ist es die Geschichte von „Guten Zeiten, schlechten Zeiten“.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Also, hier die Geschichte der ehemaligen Heilstätte kurz skizziert, wie sie uns gestern von unserem Wanderführer Stefan geschildert wurde. Die Chemieindustrie hat den Johannitern irgendwann mit ihren Tabletten gegen Tuberkulose zu starke Konkurrenz gemacht. Das Sanatorium wurde als irgendwann geschlossen und dann von der Regierung der damaligen DDR erworben. Diese hat daraus ein NVA-Erholungsheim gemacht. Naja, nach der Wende war dann Schluss damit und das Gebäude fiel an die Johanniter zurück. Diese hatten aber nach dem Mauerfall noch weitere Grundstücke zurück erhalten und wollten dieses gerne für 3 Mio. verkaufen. Ein Interessent wollte aber nur 2 Mio. zahlen, ja, da haben sie dann verfallen lassen. Und wie das dann immer so ist, Witterung und Vandalismus tun ihr Übriges. Irgendwann was das Dach kaputt, die Fensterscheiben sowieso und dann hat’s halt hereingeregnet. Ist bei Holzbalken natürlich nicht so toll. Die werden dann irgendwann morsch und dann ist alles nur noch eine Frage der Zeit. Letztendlich ist das Gelände für 30 Jahre an ein niederländisches Ehepaar verpachtet worden. Die sind leider verstorben, aber wiederum ein Ehepaar, das mit den Erstpächtern befreundet war, führt das Gelände nun weiter.
Warriors of the Wasteland
Die Gebäude sind stark einsturzgefährdet und der Schimmel wuchert wohl auch nicht schlecht. Für einen kleinen Obolus von 5,00 Euro schließen die jetzigen Pächter das eingezäunte Gelände auf. Als wir also an diesem warmen Sonntagmittag dort eintreffen – Stefan hatte unseren Besuch vorab angekündigt – vernehmen wir auf dem Gelände immer wieder Schreie. Nanu denken wir, ist da etwas jemand vom dritten Stock abgestürzt? Zum Glück nicht. Ein anderer Besucher aus dem Thüringer Wald lässt uns wissen, dass im Hauptgebäude gerade ein Video gedreht wird. Die Location ist wohl gerade bei Metal Bands ziemlich beliebt und heute sind die Vertreter der Wasteland-Szene vor Ort. Mir persönlich hat der Begriff gar nichts gesagt, aber, wir haben ja kundiges Personal vor Ort.
Wir machen uns also auch auf den Weg und erkunden ein wenig das Gelände. Die Zerstörung ist schon sehr massiv, überall liegen Scherben, Staub, eingebrochene Dächer, kaputte Keramiken und so weiter. Ich bin aber auch recht erstaunt darüber, wie viel heute hier auf dem Gelände los ist. Scheint also wirklich bekannt zu sein. Auch wir schauen uns jetzt in aller Ruhe um. Gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und teilweise auch Schwindelfreiheit machen hier auf jeden Fall Sinn. Es ist nicht immer mehr so genau zu erkennen, was für Räume man gerade vor sich hat. Der Speisesaal, die Küche, der Essensaufzug und die Nasszellen sind noch recht gut zu erkennen. Den Rest muss man irgendwie erraten. Wir laufen durch fast alle Stockwerke und sind erstaunt, dass die Erkundung mindestens eine Stunde in Anspruch nimmt. Im Anschluss erkunden wir noch das ehemalige Schwesternwohnheim (das liegt links vom Hauptgebäude) und das Haus vom Chefarzt. Unnötig zu sagen, dass die Chefarztvilla am besten ausgestattet zu sein schien. Auch machte es den Eindruck, als ob dieses Gebäude noch am längsten bewohnt gewesen ist. Hier ist noch nicht alles kaputt, manches scheint erneuert zu sein.
Die Ochsenbergrunde
Nach guten 1,5 Stunden meinen wir alles gesehen zu haben und treffen uns wieder mit dem Rest der Gruppe. Während einige direkt zum Parkplatz zurückgehen, wollen wir uns noch ein wenig die Beine vertreten. Wir umrunden einmal den Ochsenberg und haben somit die Möglichkeit, den gesamten Lost Place nochmals in Gänze aus der Ferne beobachten zu können. Wieder in Hohegeiß zurück, gönnen wir uns ein kühles Getränk im Grenz-Imbiss, der neben Essen und Trinken auch einige Kuriositäten aus der ehemaligen DDR zu bieten hat. Schließlich ist mal zwischen Sorge und Hohegeiß ein Todesstreifen verlaufen, dem zumindest der Gedenktafel am Parkplatz nach, eine Person ums Leben gekommen ist. So geht unsere sonntägliche Kultur-Tour zu Ende.
