Jamel Shabazz: New York Moves and Black Communities
Am letzten Freitag trafen zwei Ereignisse zusammen: die Eröffnung der Ausstellung „Jamel Shabazz: New York Moves and Black Communities“ und das Sommerfest des Museums für Photographie. Trotz Bauarbeiten direkt vor den beiden Torhäusern auf der Helmstedter Straße war der Andrang an diesem schönen Sommerabend sehr groß. Für die Eröffnungsreden war das rechte Torhaus „Südseite“ (von der Innenstadt kommend aus gesehen) vorgesehen. Kurz vor dem Beginn um 19 Uhr war hier die Luft bereits zum Schneiden dick, sodass sich einige Gäste – vielleicht auch aufgrund der knappen Sitzgelegenheiten – entweder vor dem Torhaus oder bereits im Garten des Museum aufhielten. Die Gemeinschaftsausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Nürnberg zeigt Fotografien sowohl in Farbe als auch in Schwarzweiß von den frühen 1980er Jahren bis zum Jahr 2010. Die Fotos geben im Wesentlichen das Lebensgefühl der 80ger Jahre wieder mit Ghettoblaster, aufgemotzten Karren und herausgeputzten Ladies. Aber eines sind die Fotos in meinen Augen nicht: sozialkritisch. Das ist schade, zumal Museumsdirektorin Barbara Hofmann-Johnson in ihrer Einführungsrede darauf hinweist, dass Shabazz wohl durch seine Fotografie farbiger Insassen in amerikanischen Gefängnissen Bekanntheit erlangt hat. Dieser Hinweis hatte bei mir gewissen Erwartungen erweckt, die jedoch durch den Rundgang durch die Ausstellung nicht befriedigt werden konnten. Das finde ich persönlich bedauerlich, aber möglicherweise ist ein sozialkritischer Aspekt auch gar nicht die Intention dieser Schau. Und ja, es ist Sommer(fest-)zeit. Vielleicht darf man da auch einfach mal ausgelassen sein.
Ghettoblaster und Hip Hop-Feeling
Wie das bei Vernissagen oft so ist, stehen am Anfang die mehr oder weniger gelungenen Reden der üblichen Honoratioren. Diese sind – leider – mal weniger gut und leider manchmal auch ein wenig peinlich. Gleich in der ersten Rede ist das Fremdschämpotential recht hoch. Schnell entsteht das Gefühl, dass hier mit schlechten Witzen (es wird z.B. krampfhaft nach dem Begriff „Ghettoblaster“ gesucht) eine lockere Atmosphäre geschaffen werden soll, was leider beim kenntnisreicheren Publikum völlig daneben geht. Peinlich auch die Bemerkung, dass zum Verstehen der Ausstellung eine Führung schon recht hilfreich sei. Ja, für sehr spießige und konservative Mitbürger, die keine Ahnung vom Leben farbiger Menschen in den USA haben und selber in einer Bubble des Wohlstands leben, mag das zutreffen. Trotzdem hätte man(n) sich diesen schlechten Witz sparen können. Egal, es lohnt sich gar nicht weiter über die Eröffnungsreden zu schreiben. Was zählt ist die Ausstellung, sind die Bilder, die für sich sprechen, die das Lebensgefühl bestimmter Menschen in einem bestimmten Zeitraum transportieren.
80s, 80s
Wir jedenfalls entscheiden für uns dass wir genug gehört haben, verlassen das inzwischen schwül gewordene rechte Torhaus und gehen herüber in das zweite Gebäude. Hier ist es wirklich schön ruhig. Ein Teil der Gäste bevölkert bereits den Garten hinter dem Torhaus, ein anderer, noch recht kleiner Teil, beginnt mit dem Rundgang durch die Ausstellung. Wir starten also im Torhaus „Nordseite“ und widmen unser Aufmerksamkeit zunächst dem Album 1983-2005 und weiteren Arbeiten der 1980er Jahre. Hier tauchen wir schnell ein in die typischen Outfits, Frisuren und Gesten der 80er, entweder mit den charakteristischen Ballonseide-Trainingsanzügen, Lederoutfits aus Kunststoff oder toupierten Haaren. Oft werden diese Szenen von schnellen und teuren Autos à la Crockett und Tubbs im Miami Vice-Charme begleitet und gerne auch mit heißen Miezen, knapp begleitet und aufreizend positioniert. Ja, denken wir. Schöne Fotografien, aber irgendwie hat man das alles schon mal gesehen. Wir wechseln rüber zur Abteilung „Hip Hop und Music Culture“. Da sind sie endlich, die Ghettoblaster. Stolz werden diese entweder im Gruppenbild oder lässig auf der Schulter balancierend präsentiert.
Rush hour, Hot Fun und Zeiten der Unschuld
Wir wechseln nochmals auf die Südseite. Nachdem die „Eröffnungskarawane“ die Seiten gewechselt hat, wagen wir uns nochmals zum ersten Torhaus. Hier geht es weiter mit Fotografien aus der New Yorker U-Bahn und Stadtszenen. Zwei Fotografien haben mir hier besonders angesprochen. Es ist zudem eine fantastische Momentaufnahme auf der Straße. Zu sehen sind eine Person und ein Hund. Der Hund hat sich an irgendetwas festgebissen, hängt in der Luft, während die Person versucht, dem Hund das Stück Stoff (oder was immer das ist) zu entreißen. Ich finde das Bild sehr kraftvoll und den Moment sehr gut festgehalten. Ein anderes Bild zeigt eine Szene aus der New Yorker U-Bahn. Im U-Bahn Waggon ist es dicht gedrängt und eine junge Frau schaut direkt in die Kamera und damit direkt in die Augen des Betrachters. Die Frau trägt im Gesicht ein angedeutetes Lächeln und es fühlt sich so an, als würde das Lächeln mit gelten, ein wenig verschwörerisch, so als würden wir ein Geheimnis miteinander teilen. Auch das Bild hat mich angesprochen.
Die Ausstellung ist in den beiden Torhäusern des Museums für Photographie Braunschweig noch bis zum 13.09.2026 zu sehen.
PS: Dem Sommerfest im Garten des Museums haben wir nur einen kurzen Besuch gewidmet. Die Talente der beiden Barkeeperinnen konnten uns nicht so richtig überzeugen:-)
Weiterführende Links:
- Zur Person Jamel Shabazz
- Zur Ausstellung
