Matera in der Basilikata: Auf den Spuren von James Bond
Die Basilikata ist vielleicht nicht gerade die bekannteste Region in Süditalien. Mir war sie auch nicht bekannt bis, naja, bis ich den letzten James Bond-Film „Keine Zeit zu Sterben“ gesehen habe. Und dann, ja dann, da war da diese Szene ziemlich am Anfang des Films in diesem wunderschönen Ort irgendwo in Italien und ich hab nur gedacht: Da muss ich mal hin, unbedingt! Naja, ein paar Jahre hat es gedauert und dann war es in diesem Frühjahr endlich so weit. Und meine Intuition war mal wieder richtig: Der Moment als wir Matera erreichen und das erste Mal einen Blick auf die Altstadt werfen bleibt mir wirklich fast die Luft weg. Die Stadt ist so übernatürlich schön, dass ich kaum Worte dafür finden kann. Ich bin auch schon ein wenig in der Welt herumgekommen, aber Matera ist wirklich etwas ganz Besonderes. Auch wenn ich den Ausdruck eigentlich ein wenig „over the top“ finde, ich war wirklich geflasht!
Ein Anblick für die Ewigkeit!
Drei wundervolle Tage haben wir in Matera und Umgebung verbracht. Dabei sind die Übergänge zwischen den Regionen Basilikata, Kalabrien und Apulien fließend. Sowohl der Parco Nazionale del Pollino erstreckt sich über beide Sektoren als auch die Drehorte zum Bond-Film. Denn, während Matera in der Basilikata liegt ist das Aquädukt, von dem James im Film springt, in Gravina in Puglia verortet und damit, wie der Name schon sagt, in Apulien. Aber ganz egal, wo wir uns auch bewegen, es ist einfach nur schön hier. Unser Frühstück nehmen wir im Hotel Belvedere ein. Und wie der Name schon andeutet, haben wir von der Frühstücksterrasse einen unfassbar schönen Blick auf die Altstadt von Matera. Und da das Buffet auch noch extrem lecker ist und das Personal sehr freundlich und hilfsbereit, fällt es uns schon sehr schwer, diesen herrlichen Ort zu verlassen und zu neuen Abenteuern aufzubrechen.
Vom Hotel ist es nur ein Katzensprung in die Altstadt. Am ersten Tag kommen wir hier natürlich nicht weg und streifen erstmal durch die Gassen und sind immer wieder entzückt von den zahlreichen, malerischen Aus- und Anblicken. Dabei fällt uns natürlich auch die Hängebrücke auf, die sich über die Schlucht der Gravina (so heißt der Fluß) spannt und zu den Höhlenwohnungen führt. Dieses Erlebnis heben wir uns aber für den zweiten Tag auf. Ein Päuschen gönnen wir uns im schönen Zipa Café. Von hier aus haben wir einen herrlichen Blick auf das Treiben in den Sträßchen. Und ich muss sagen, obwohl in Matera natürlich viel los ist, verläuft sich der Touristenstrom sehr gut, sodass man auch immer wieder in Ruhe durch die Stadt streifen kann.
Panoramawanderung um Matera
Am zweiten Tag ist es dann soweit, wir machen uns zur Panoramawanderung um Matera auf. Und eins sei gleich gesagt: Wer die Schlucht durchqueren möchte, benötigt dafür ein Ticket und gute, feste Wanderschuhe. Mit Adiletten ist es nicht erlaubt den Canyon zu erwandern. Ich würde es auch wirklich nicht empfehlen, der Weg ist teilweise sehr schmal, eng und steinig, aber wunderschön! Der Gang auf der Hängebrücke über den Torrente Gravina ist schon etwas Besonderes und dann erst der Blick von den Höhlen zurück auf die Altstadt: definitiv ein Moment für die Ewigkeit! Aber auch der restliche Weg ist nicht zu unterschätzen und das nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten. Wir kommen an der Felsenkirche San Vito und den antiken Ruinen von Matera vorbei. Aber erst danach geht es wirklich ans Eingemachte. Ich möchte nämlich noch zu einem weiteren Drehort des Bond-Films, der Madonna delle Vergini, hier soll James um seine verflossene Liebe Vespa getrauert haben.
Hitze, hohes Gras und kein Weg
Und spätestens hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bis hierher war der Weg nämlich gut zu erkennen und recht einfach zu gehen. Das ändert sich jetzt radikal. Der Pfad ist extrem zugewachsen. Wir wandern durch sehr hohes Gras und ich versuche einfach nicht an die Zecken zu denken, die sich hier bestimmt tummeln. Zudem scheint die Sonne an diesem Tag recht erbarmungslos auf uns herunter. Egal, wir halten durch und kämpfen uns weiter durch die Felder. Nach einer ganzen Weile und auch schon ein wenig entnervt erreichen wir die Madonna oder naja, zunächst nur ein verbeultes Blechschild, das zur Felsenkirche führt. Leider muss ich zugeben, dass der Besuch der Kirchenreste (im Grunde genommen kann man nur das Portal besichtigen) nicht wirklich überwältigend ist. Nun ja, damit ist dieser Besichtigungspunkt auch abgehakt und wir machen uns an den Rückweg nach Matera. Da sind wir tatsächlich noch ein ganzes Weilchen unterwegs und kommen u.a. am Skulpturenpark La Palomba vorbei. Den finden wir jetzt gar nicht so toll. Vielmehr sind wir vom „Stonehenge“ ein paar hundert Meter weiter beeindruckt.
Stonehenge als Lost Place
Damit haben wir so gar nicht gerechnet. Wir kommen an einem ehemaligen Steinbruch oder so vorbei und entdecken interessante Felsformationen, die mich irgendwie an Stonehenge erinnern. Schließlich landen wir halb verdurstet in der Neustadt von Matera und lassen uns in der ersten vernünftigen Bar nieder, die uns über den Weg läuft. Das war ein recht anstrengender Panoramaweg um ganz Matera herum, aber auch beeindruckend.
Auch am dritten Tag bewegen wir uns nochmals auf den Spuren von James Bond. Diesmal geht es zum Aquädukt von Gravina in Puglia. Damit verlassen wir die Basilikata zwar vorübergehend, aber ich nehme diesen Teil der Reise trotzdem hier auf. Gehört für mich irgendwie dazu. Der Ort Gravina in Puglia ist praktisch das kleinere Matera. Das Gebiet rund um das Aquädukt, aber auch die restliche Stadt, sind definitiv sehenswert. Auch ist die Stadt nicht besonders überlaufen, sodass man sich in Ruhe umsehen kann. Von Gravina ist es dann auch nur ein Katzensprung in die „Stadt des Brotes“: Altamura. Selbstverständlich komme ich nicht daran vorbei, eine der ältesten Bäckereien der Stadt zu besuchen, den Forno Santa Chiara. Im schattigen Café unter Bäumen genießen wir eine stärkende Pause und nehmen uns noch eins der leckeren Brote mit. Anschließend besichtigen wir die prächtige Kathedrale von Altamura und gönnen uns abschließend einen „Padre Peppe“ (Nusslikör) im legendären Café Roncchi. Ein besserer Abschluss dieses genialen Tages ist kaum denkbar!
