[:de]Ein Wintermärchen im Harz[:en]A winter’s tale at the Harz[:]
[:de]Bereits vor einem Monat haben wir den Wochenendtrip in den Harz gebucht. Für die beiden Tage habe ich mir Schnee gewünscht. Auch wenn ich kein Freund von großer Kälte bin, gibt es für nichts Romantischeres als den verschneiten Harz. Und tatsächlich geht diese Sehnsucht in Erfüllung. Pünktlich zum Aufstieg auf den Brocken verwandelt sich die malerische Landschaft des Harzes in ein Wintermärchen. Und so sagenhaft wie es beginnt, geht es an beiden Tagen weiter.
Eine magische Schneelandschaft
Für diesen Samstag haben wir uns einiges vorgenommen. Von Bad Harzburg (Berliner Straße) soll es über den Burgberg, das Molkenhaus, die Eckertalsperre und den Scharfenstein auf den Brocken gehen. Soweit ich weiß, ist das die herausforderndste Strecke auf die höchste Erhebung des Mittelgebirges.
Bereits der Weg auf den Burgberg bringt den Körper auf eine angenehme Temperatur. Jetzt sind wir aufgewärmt. In Höhe des Molkenhauses beginnt es mit der weißen Pracht. Hier ist der Schneefall des vergangenen Tages liegen geblieben. Über die Wiese herunter zur Ecker ist schon alles weiß. Herrlich, wie der harschige Schnee unter den Füßen knirscht. Hier finden sich nur wenige Fußspuren, sodass die Umgebung in ein fast jungfräuliches Weiß getaucht ist. Auf dem weiteren Weg bin ich immer wieder davon fasziniert, auf welchen dünnen Ästen sich der Schnee hält und einzigartige Formationen bildet.
Es glitzert und schimmert immer wieder dort, wo sich die Sonne von Zeit zu Zeit ihren Weg durch die Wolken bahnt und auf die Eiskristalle fällt. Schnell hat die weiße Pracht auf den Tannenbäumen ein bizarres und faszinierendes Bild geschaffen. Wie große Tatzen wirken die Äste der Nadelbäume.
Das erste malerische Bild mache ich an der Eckertalsperre, die gut gefüllt ist. Hier fühlen wir uns fast wie an einem norwegischen Fjord. Bei dem Überqueren der Brücke von Niedersachsen nach Sachsen Anhalt ist jedoch Vorsicht angesagt. Der immer wieder auflebende Wind hat hier stellenweise eisglatte Passagen hinterlassen. Hinter uns reißt plötzlich der Himmel auf und schafft ein blaues Band, das uns ein Stückchen begleitet.
Vorsicht wandernder Pumakäfig
Kurze Zeit später erreichen wir den Scharfenstein, die letzte Bastion, bevor es den Kolonnenweg steil hinauf zum Brocken geht. Wir kehren für eine kurze Rast ein, um nochmals alle Kräfte zu sammeln. Ein junges Pärchen und eine Mädelsgruppe sitzen bereits in dem kleinen Gastraum. Wir lassen uns am Tisch des Pärchens nieder, ordern Bier, Apfelsaftschorle und Bockwurst.
Draußen fängt es nun kräftig an zu schneien. Ich bin begeistert, das wird ein richtiger Winterspaß. Vor allen Dingen freue ich mich, dass der hässliche Kolonnenweg nun schneebedeckt ist und der löchrige Beton somit verdeckt ist. Gerade als die Mädchentruppe aufbrechen will, geht die Tür auf und ein Männerpulk stürmt in die Hütte. Mit einem Schlag ist es vorbei mit der besinnlichen Ruhe. Es wird laut, ruppig und vor allem stinkt es wie im Pumakäfig, als sich die Herren ihrer Jacken entledigen und der Schweißgeruch der synthetischen T-Shirtfasern freie Bahn bekommt. Höchste Zeit zum Aufbruch.
Vom Winde verweht
Wir nehmen die letzte Etappe auf den Brocken in Angriff. Dieser Teil des Weges hat es wirklich in sich. Nicht nur, dass auf einer Strecke von 3,5 km 300 Höhenmeter zu überwinden sind. Ein immer wieder auffrischender Wind weht uns um die Nase und treibt die Flocken ins Gesicht. Mir ist klar, dass der Aufstieg eine Herausforderung sowohl für die Oberschenkel als auch für die Waden ist. Der Weg wird immer beschwerlicher, je weiter wir vorwärtskommen. Zum Glück sinken wir mit unseren Wanderschuhen nicht ein, da der Schnee sehr griffig ist. Trotzdem bin ich froh, meine Wanderstöcke dabei zu haben. Es sind nicht viele Leute, die uns unterwegs begegnen. Wir überholen die meisten, obwohl ich mehrfach stehenbleibe, um die verschneiten Tannenbäume zu fotografieren.
Da die Sicht immer schlechter wird, haben wir auch kein Gefühl mehr dafür, wie weit es noch bis zum Gipfel ist. Mit dem Schneegestöber, dem kräftigen Wind und der schlechten Fernsicht fühlen wir uns wie auf einer Nordpolexpedition. Tapfer kämpfen wir uns vor. Als wir das Schild entdecken, das uns mitteilt, dass wir auf 1.000 Höhenmetern sind, wissen wir, dass es nicht mehr weit bis zum Gipfel ist. Es ist überraschend, dass das Schild überhaupt noch zu lesen ist – alle anderen Wegweiser sind komplett zugeschneit.
Nach gut 50 Minuten taucht schemenhaft das Brockenhaus vor uns auf. Wir sind da. Wir schleppen uns die Treppe hoch und sind überrascht, dass auf dem Gipfel doch einiges los ist. Ein paar Leute sind mit der Schmalspurbahn gekommen, andere haben es über den Goetheweg geschafft.
Gegen den heftigen Wind gestemmt, bewegen wir uns zum Gipfelstein. Hier geben sich die Besucher sprichwörtlich die Kamera bzw. das Handy in die Hand, um sich als Beweis vor dem Aufdruck „1.141 Meter Höhe“ fotografieren zu lassen. Mir ist zum einen der Andrang zu groß, zum anderen sind meine Hände dabei einzufrieren. Wir machen uns an den Abstieg über den Goetheweg zum Torfhaus.
Ein Unimog im Graben
Auf dem asphaltierten Wanderweg strömen uns die Massen entgegen. Hier sollte man Vorsicht walten lassen, da der Untergrund gefroren und damit sehr rutschig ist. Ein Stückchen unterhalb der Spitze spielt sich heute die eigentliche Attraktion ab. Wir sehen einen Schneepflug, der etwas ungewöhnlich parkt. Als wir näher herankommen sehen wir, dass der Unimog im Graben liegt. Jeder, der vorbeikommt, bleibt stehen und schießt ein Foto.
Wir biegen rechts von der Asphaltstraße ab und folgen den Schienen der Harzer Schmalspurbahn. Plötzlich hören wir aus der Ferne ein schnaufendes Geräusch. Das kann ja nur die Bahn sein, die sich den Berg hinaufschleppt. Und genauso ist es. Eine riesige schwarze Rauchwolke zeugt davon, wie schwer die Dampflok an diesem Tag arbeiten muss. Umfeldfreundlich sieht dieses schwere schwarze Gebilde für mich nicht aus.
Wir stapfen weiter durch den Schnee, der immer noch kontinuierlich fällt. Der Boden ist nun gut bedeckt, eine riesige weite Fläche liegt vor uns. Kurz nach 15 Uhr, knapp sechs Stunden Gehzeit, 25 Kilometern Strecke und 1021 Höhenmetern erreichen wir Torfhaus. Wir haben wieder Glück, unser Bus fährt in 10 Minuten.
Jagdschloss Windenhütte: Im Zeichen des Hirsches
Von Bad Harzburg fahren wir direkt zu unserem Hotel in der Nähe von Altenbrak. Wir biegen in einen Waldweg ab. Über viele Schlaglöcher geht es zum Jagdschloss Windenhütte. Hier haben wir eine Übernachtung und ein Candle Light Dinner gebucht. Ein bisschen habe ich mich vorab gewundert, dass das dazugehörige Restaurant um 19 Uhr schließt. Ich dachte mir aber das gilt nicht für Hotelgäste. Wir treffen gegen 16:45 Uhr ein und wollen uns eigentlich eine Stunde auf’s Ohr legen. Nachdem wir allerdings erfahren, dass um 17:30 Uhr die letzte Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme besteht, wird das nix.
Wir sind erstmal ein wenig verdutzt, weil die Unterkunft sprichwörtlich im Nirgendwo ist und wir uns fragen, was man in der Zeit nach 19 Uhr hier macht. Da es weder eine Hotelbar noch ein Kaminzimmer oder ähnliches gibt, kann man sich ja nur im Zimmer aufhalten. Was wir erstmal komisch finden, stellt sich anschließend als Glücksfall heraus. Als hübschen wir uns ein wenig auf und betreten das Restaurant, das an diesem Abend gut gefüllt ist. Wir haben ein Drei-Gänge-Menü bestellt. Da ich Vegetarierin bin, gibt es für mich Flammkuchen. Das haut mich erstmal nicht vom Hocker. Vorweg ordere ich einen Aperol Spritz, da kommt auch schon die Vorspeise. Ein Pastinaken-Möhren-Süppchen mit Croutons, das ganz hervorragend schmeckt.
Anschließend geht es für mich mit einem Flammkuchen, belegt mit Spinat, Tomaten, Pilzen und Käse weiter. Holger bekommt die Wildroulade. Ich bin überrascht, wie gut so ein Flammkuchen schmecken kann. Der Boden ist hauchzart, der Belag sehr lecker. Ich bin begeistert und allerdings auch nach dem zweiten Gang gesättigt. Nur ein paar Minuten später steht die verführerische Nachspeise auf dem Tisch: Schokoladenmuffin, Sahne und Vanilleeis. Obwohl die Portion recht klein ist, habe ich Mühe alles zu schaffen. Anschließend bin ich sehr satt, aber nicht unangenehm. Auf das Zimmer nehmen wir noch eine Flasche Sekt und Pralinen mit.
Ein Glas Sekt schaffen wir noch, dann liegen wir auch schon wie betäubt auf dem Bett. Innerhalb weniger Minuten sind wir selig in den Schlaf gefallen. Gut, dass es so früh Essen gab!
Auf dem Köhlerweg
Am nächsten Morgen gönnen wir uns noch das leckere Frühstückbuffet, bevor wir zu Abschlusswanderung aufbrechen. Draußen scheint die Sonne, ein paar Flocken fallen und die Schneedecke auf dem Balkon glitzert in den Strahlen. Wir starten direkt am Jagdschloss und wandern zunächst nach links in Richtung Hasselfelde. Auf der Landstraße biegen wir in einen Forstweg ein, der uns zum Stemberghaus führen soll. Der Pfad ist ziemlich ausgefahren von den Waldarbeiten. Je weiter wir vordringen, desto unwirtlicher wird der Weg. Wir überqueren einen kleinen Bach, dann geht’s bergauf. Nach einer Weile sind wir auf dem Köhlerweg, der uns direkt zur Hütte führt.
Das Stemberghaus ist unser heutiger Wendepunkt. Von dort aus folgen wir dem Harzer-Hexen-Stieg und wandern zur Schöneburg mit dem wundervollen Blick auf Altenbrak. Ab dem Stemberghaus begleitet uns die Sonne. Wieder wird die Landschaft in ein herrliches Licht getaucht und die kleinen Schneekristalle blitzen nochmals wie Diamanten. Nach einer kurzen Pause auf der Schutzhütte geht es auf steilen Pfaden hinunter nach Altenbrak. Im Ort biegen wir an der Bode rechts ab und sind auf dem direkten Weg zurück zum Jagdschloss. Diesmal haben wir 16 Kilometer zurückgelegt und 350 Höhenmeter bezwungen. Wir blicken auf ein perfektes Harzwochenende mit reichlich Schnee in den Höhenlagen zurück.
A magical snowscape
We have big plans for this Saturday. We start at Bad Harzburg and hike via Burgberg, Molkenhaus, Eckertalsperre and Scharfenstein onto the Brocken. As far as I know it is the most challenging path onto the highest height of the low mountain range.
The way onto the Burgberg alone heats up our bodies to a comfortable temperature. Now we are warmed up. Right at the Molkenhaus the white stuff begins to cover the ground. We cross the meadow leading to the river Ecker. It is wonderful how the snow crunches underfoot. There are only a few footsteps so far, therefore the landscape has almost an untouch white. Further up I am totally fascinated what kind of shapes the snow forms even on thin branches.
All ist glittering and shining where the sun falls onto illuminating the ice crystals. The snow has already shaped a bizarre and fascinating picture. The branches of the fir trees look like big paws. I take the first picturesque photo at the Eckertalsperre. With all that snow and fog it almost looks like a Norwegian fjord. Behind us the sky clears up and shows a blue ribbon that accompanies us for a while.
Attention moving cougar cage
After a while we reach the Scharfenstein, the last bastion before the steep ascent onto the brocken starts. We stop for a coffee break in order to recharge our batteries. A young couple and a group of girls are sitting in the small dining area. We sit down at the couples‘ table and order beer, apple juice spritzer and bockwurst.
Outside it starts snowing heavily. I am happy, this is going to be real fun. The best thing is that the ugly convoy road is snow covered and does not hurt my eyes that way. Just when the group of girls is about to leave a group of youn guys enters the room. Suddenly the contemplative calm is gone. It gets loud, abbrasive and above all they smell like cougars when the guys remove their jackets. It is a body-ordour that comes from the synthetic fibre of their shirts. It is time to leave.
Gone with the wind
We are ready for the last stage of our hike. This part is really challenging. It is not only that you have to overcome a diffence of altitude of about 300 metres on a distance of 3.5 kilometres. It is the time and again freshening wind that pushes the snow flakes into our faces. I am aware that the ascent is a challenge for both, our upper thighs and calves. The path becomes more and more exhausting. Fortunately we do not sink in with our walking boots as the snow is grippy. Still I am happy that I have my walking sticks with me. There are only a few people on this walk. We overtake most of them even though I stop from time to time for a picture.
There is only low visibility by now therefore we have no idea how far the peak is still away. With the heavy wind, the snow flurry and the poor visibility we feel like being on a North Pole expedition. We keep a stiff upper lip and move on. After a while we see a sign telling us that we have reached an altitude of 1.000 metres. That means we are already there. However we are surprised that the sign is still readable as all the other signposts are totally snow-covered.
After 50 minutes the Brockenhaus appears dimly before us. We made it! We climb up the stairs and are surprised that the peak is almost packed with people. Some took the narrow-gauge railway, others made it via the Goetheweg.
Fighting against the wind we move towards the summit stone. Nearly everybody is taking the „must-have-photo“ of the stone having the inscription „1.141 m altitude“ demonstrating you have been there. I don’t like the rush plus my hands are ice cold. Therefore we start our descend via the Goetheweg to the Torfhaus.
An Unimog in the ditch
A flow of people walk towards us on the tarmac road. You should be careful here as the street is partly frozen and thus very slippery. The real attraction is today underneath the peak: it is an Unimog that could not hold its course and slided into a ditch.
We leave the tarmac road and turn right. We follow the rails of the Harzer narrow-gauge railway. Suddenly we hear a snuffling noise from a far. This must be the railway climbing the hill. And that is exactly what it is. A huge black cloud of smoke coming from the steam train illustrates the struggle. That does not look very eco-friendly to me.
We trudge through the snow, that continues to fall down. The soil is already covered. A huge wide area lies before us. At nearly three o’clock in the afternoon, almost a six hours‘ walk, 25 kilometres and 1021 metres of altitude we reach the Torfhaus. We are lucky again, our bus comes in 10 minutes.
Hunting lodge Windenhütte: Under the banner of the deer
We drive directly to our Hotel close to Altenrak. We turn into a forest track. Via a lot of potholes we reach the hunting lodge Windenhütte. We booked an overnight stay and a candle light dinner. I was a little bit confused beforehand by the closing times of the restaurant. On the internet page they say seven o’clock p.m. My guess was that this does not include hotel guests. But it does. We arrive at a quarter to five and are about to take a nap. However the waitress tells us that 5.30 p.m. is the last chance for food intake.
We are at first a little bit annoyed, but what can we do about it? The hotel is located in the middle of nowhere so what can you do after seven o’clock then? There is no hotel bar and no room with a fireplace where you can spend the rest of the day. In the end our fears were in vain. We take a shower and return to the restaurant. We ordered a three-course meal. Being a vegetarian I was a little skeptical at first. But the choice of dishes is well selected. We start off with a parsnip-carrot-soup which is very delicious. The soup is followed for me by a Tarte Flambee which is very good. I am already full when the dessert comes. But it looks so tempting that I cannot resist: Chocolate muffin, cream and vanilla ice. Afterwards we take a bottle of sparkling wine and some chocolate candy with us. We manage to drink one glas of the sparkling wine before we fall asleep instantly.
On the Köhler path
The next morning we enjoy an extensive breakfast before we start to our final hike. The sun is shining and some snow flakes are falling down. The snow layer on the balcony is glittering. We start our walk directly at the hotel and walk towards Hasselfelde. On the country road we turn right into a forest path which leads us to the Stemberghaus. The trail is in a bad condition. Weh ave to cross a little creek and then walk uphill. After a while we reach the Köhlerweg which leads us directly to the hut.
The Stemberghaus is our today’s turning point. From there we follow the Harzer-Hexen-Stieg and hike to the Schöneburg-Blick. From the Stemberghaus on the sun accompanies us. Once again the landscape is bathing in a wonderful light and the small ice crystals are sparkling like diamonds. After a short break at the refuge we walk on a steep path down to Altenbrak. At the site we turn right into the forest road that leads back to the hunting lodge. This time we travelled a distance of 16 kilometres and 350 metres difference in altitude. We are looking back onto a weekend in the Harz with a lot of snow in the altitudes.
