[:de]Dort, wo der Harz wirklich wild ist[:en]Into the wild, wild Harz[:]
[:de]Wer seinen Adrenalinspiegel mal wieder so richtig hochtreiben will, sollte den Brocken, den Harzer Hexenstieg, Pullmann City und all dieses moderne Gedöns vergessen. Ich empfehle euch, geht dahin, wo der Harz wirklich wild ist: Im Karstgebiet – jawohl! Da, wo einen wahlweise die Herdenschutzhunde oder alte Männer anfallen. Da, wo es durch das hohe Gras geht und nur eine lange Hose vor der Zeckenplage schützt (auch bei 30 Grad). Da, wo die Ausschilderung auch mal in die Irre führen kann. Und da, wo Opas sich in die Hosen machen. Kurzum: Heute berichte ich euch von dem wohl wildesten Abenteuer, das der Harz(rand) derzeit zu bieten hat: Der Karstwanderweg von Osterode nach Herzberg.
Der Karstwanderweg im Südharz umfasst 239 km und verläuft durch drei Bundesländer. Die Etappe von Osterode nach Herzberg bietet sich an, weil An- und Rückreise mit dem Niedersachsenticket erfolgen können. Ich marschiere also wagemutig los. Der Ausgangpunkt liegt kurz vor dem Freizeitbad ALOHA. Auf Nachfrage erfahre ich, dass ich mich nicht auf dem direkten Weg nach Herzberg befinde. Die freundliche Dame sagt mir aber, dass ich über die Ortschaften Düna und Hörden nach Herzberg käme. Unbeirrt setze ich meinen Weg also fort. Schnell stelle ich fest, dass dieser Teil des Karstwanderwegs wohl eher selten begangen wird. Abgesehen davon, dass mir kaum jemand begegnet, stapfe ich durch hohes Gras und bin froh, dass ich die „Beine“ meiner ZIP-Hose dabei habe, um mir die Zecken vom Leib zu halten.
Ein völlig verblödeter Herdenschutzhund
Kaum jedoch habe ich dieser Gefahr getrotzt lauert schon der nächste Feind. Ich werde auf ein Schild am Wegesrand aufmerksam. Dieses Schild hängt an einem Pfahl und fällt mir auch nur deshalb auf, weil ich es zunächst aufgrund der roten Farbe für eine Wandermarkierung halte. Nun lese ich, dass hier in der Nähe Schafe gehalten und von Hunden bewacht werden. Wanderer werden gebeten, einen größeren Bogen um die Schafherde zu machen. Gut, sollte ja kein Problem sein – denkste. Als an der nächsten Kreuzung die eindeutige Ausschilderung fehlt, gehe ich zunächst in die falsche Richtung. Zufällig ist das aber die Richtung, wo die Schafe weiden. Als ich gerade umdrehen will, ist es schon zu spät. Der blöde Drecksköter hat mich bereits gewittert und obwohl ich weder etwas von ihm noch von seinen blöden Schafen will und er wohl auch zu doof ist zu erkennen, dass ich KEIN Wolf bin läuft er auf mich zu, fletscht die Zähne und verfolgt mich. Ich überlege kurz. Vermutlich hat der Köter ein höheres Körpergewicht als ich, sodass ich wahrscheinlich umfallen werde, sollte er mich anspringen. Da, wie gesagt, weit und breit niemand zu sehen ist, kann ich mir also auch keine Hilfe holen. Schöner Mist. Es ist auch egal, wo ich hingehe, der Köter folgt mir auf Schritt und Tritt, obwohl er angeblich nur auf Spaziergänger reagiert, die dem Elektrozaun zu nahe kommen (ha,ha,ha): „Wer also bei einem Spaziergang auf die Herde trifft, sollte einen angemessenen Sicherheitsabstand einhalten und das Revier des Hundes unbedingt respektieren, das innerhalb des Elektrozaunes liegt.“ Da möchte ich mal wissen, wie diese Blödis „Nähe“ definieren, dann sollen sie doch einfach den offiziellen Wanderweg gleich sperren lassen, denke ich mir.
Schließlich merke ich, dass die Töle zurückweicht, wenn ich auf ihn zugehe. Der Hund fängt an, mir mächtig auf die Nerven zu gehen. Schließlich weiß ich ja auch nicht, ob er mich nicht doch noch anfällt. Ich nehme meinen Mut zusammen und schreie den Köter aus vollem Halse an, dass er sich verpissen soll. Kurze Stille. Der Hund ist irritiert. Damit scheint er nicht gerechnet zu haben. Ich lasse ihn schließlich links liegen und gehe den ausgeschilderten Weg weiter. Nach einer Weile haut der Köter ab. Ich überlege mir ernsthaft, den ganzen Puff (wie Stromberg sagen würde) anzuzeigen. Aufgewühlt stapfe ich weiter. Nach kurzer Zeit bin ich aber bereits wieder von der schönen Landschaft gefangen und genieße die wiedererlangte Ruhe.
„Wo willste denn hin? Wo kommste denn her?
Nach einer Weile erreiche ich meine erste Etappe: Düna, einen Ortsteil von Osterode. Dort treffe ich auf einem Wanderparkplatz auf ein paar nette Spaziergänger und erkundige mich nach dem weiteren Weg. Ich lande schließlich auf einem Lehrpfad der Gipskarstlandschaft Hainholz . Ich bin positiv überrascht von dem abwechslungsreichen Weg und lese mir ein paar der Informationstafeln zur Geschichte des Schutzgebietes durch.
Der weitere Weg soll mich nach Hörden führen und von dort nach Herzberg. Noch ist die Ausschilderung gut und ich wähne mich auf dem rechten Weg. Doch dann passiert es: Ich gelange an eine Kreuzung ohne Ausschilderung. Na toll! Ich habe Glück im Unglück und ein Auto kommt zufällig des Weges. Ich spreche den Fahrer an und frage diesen, auf welchem Weg ich nach Hörden komme. Der etwas ältere Typ mit Schnauzbart („Respektbalken“) mustert mich von oben bis unten und zeigt nach links. Sogleich kann ich seine Gedanken lesen: „Na Blondchen, haste dich verlaufen?“, so sagt es zumindest sein Blick. Anstatt mir einfach zu sagen, wo ich lang muss, fängt er an, mich auszufragen. „Wo willste denn hin?“ Ähm, duzen wir uns? Und, was geht den das denn an? Nach Herzberg, sage ich. „Ah ha. Und wo kommste her?“ Was soll denn der Quatsch? „Nach Herzberg? Da musste ja über den Berg“ (Schenkelklopfer!). Kommst wohl aus Berlin, wa? Kennst dich hier ja gar nicht aus.“ Ich frage ihn kurz, was ihn das anginge und gehe dann meines Weges.
Ich erreiche Hörden. Diesmal klappt es mit der Ausschilderung, der Weg nach Herzberg ist leicht zu finden. Nun ja, bis zu einem gewissen Punkt. Irgendwann merke ich, dass ich im Kreis gehe. Ich entscheide mich dafür, mir den Rest des Weges zu erleichtern und folge einfach dem Radweg. Dieser verläuft teilweise parallel zum Karstweg, sodass ich irgendwann wieder auf der richtigen Spur bin.
„Wie läufst du denn, Opa?“
Nach einer halben Stunde habe ich es geschafft, das Herzberger Schloss ist erreicht. Endlich fahre ich mal nicht mit dem Zug dran vorbei. Ich mache ein paar Bilder. Leider hat das Schloss-Café gerade Ferien. Ich habe aber noch Zeit bevor der Zug kommt, also gehe ich auf einen Kaffee in die Herzberger Fußgängerzone. Plötzlich schreit ein Kind: „Opa, wie läufst du denn? Das sieht ja aus, als wenn du dir in die Hosen gemacht hättest.“ Ich schaue irritiert zu den beiden hinüber, dann lache ich. Das hätte ich mir früher nicht herausnehmen dürfen, so viel ist sicher.
Bei einem Kaffee lasse ich die „wilde“ Tour auf dem Karstwanderweg Revue passieren. Aufregend war’s, schön war’s!
The karst hiking trail in the South of the Harz Mountains is about 239 km long and crosses three federal states. The leg from Osterode to Herzberg lends itself as it can be reached with the “Nidersachsenticket” (Lower Saxony round-trip ticket). I make a courageous move and start close to the ALOHA water park in Osterode. On enquiry I learn that I did not choose the direct path to Herzberg. The friendly lady however tells me that that I can walk via Düna and Hörden to Herzberg and can thus stay on the chosen track. Unflinchingly I continue on my path. Soon I realise that this hiking trail might not be walked-on that often. Apart from the fact that I meet hardly anybody I walk through knee-high grass and I am glad that I wear my trousers instead of shorts today to keep away annoying ticks.
A completely stupid livestock guardian dog
I just barely braved the jeopardy when the next enemy comes around the corner. I get aware of a sign pinned to a stake. It is only that I realize the sign because a signpost of the karst hiking trail is fixed next to it. The plate tells me that sheeps are kept nearby and are guarded by dogs. Hikers are asked to forgo the herd. Well that should not be a problem , I think to myself. No way! Because of a missing marker at the next crossing I take a wrong turn. Unfortunately that is exactly the way where the sheeps are grazing. Just when I am about to make a U-turn it is already too late, the stupid dog has already scented me. And of course I am neither interested in the sheeps (I am a vegetarian by the way) nor am I a wolf (according to a press release the guardian dogs are there to protect the sheeps from wolves) but still the dog runs up to me, bares his teeth and chases me. I consider briefly and come to the conclusion the dog might be heavier than I am, so in case he pounces at me I might stumble and fall. As nobody is around to assist me I paint myself into a corner. And no matter what I do or where I go the dog follows me instantly, barking like crazy. After a while my fear yields to anger. I suddenly realise that the dog backs off as soon as I take a step towards him. Well, I still do not know whether this dog is about to attack me. However, I get up the nerve to yell at the dog: “Fuck off” I shout at him. Silence. The dog is obviously irritated. He did not expect that. I send him to Coventry and continue to follow the signposted trail. After a while he gives up and returns to his herd. For a moment I seriously consider to announce the shepherd. Agitated I move on. After some time I am once again caught up by the beautiful landscape and enjoy the regained calm.
“Where are you going? Where are you coming from?
After a while I reach my next leg: Düna, a neighbourhood of Osterode. I bump into some nice fellows on a parking site for hikers and ask them for directions. I walk along a natural trail direction of Hörden. I take a look at some information boards. I am surprise how diversified the hiking path is.
The road is supposed to lead me to Hörden and then to Herzberg. The signposting is still good and I consider me to be on the right track. Well it is just until I reach another crossing without any signs. I was lucky though as a car comes my way. I talk to the driver asking him for directions. The middle-aged guy with a mustache eyeballs me and points to the left. Instantly I can read his mind: “So blondy, got lost he? Instead of just telling me the way he starts to catechize me: “Where are you going?” Well, are WE on first-name terms already? Besides, that is none of his business anyway. “To Herzberg” I answer. “Ah ha. An where are you coming from?” What is all this good for? “To Herzberg? Well that means you have to climb a hill” (knees- slapper). Are you coming from Berlin? You do not know your stuff.” I answer brusquely “That does not regard you” and turn my back on him.
I reach Hörden. This time the signposting is easy to find. However after a while I realise that I am going in circles. That’s why I decide to leave the hiking trail and follow the cycle path which goes partly parallel to the walking trail anyway. About 30 Minutes later I reach my final destination: Herzberg.
“What on earth are you walking like, grandpa?”
Reaching Herzberg I take a look at the Guelphes’ palace, which is close to the railway station. I take some pictures – unfortunately the coffee shop is closed. I still have time to spare until the trains comes, that’s why I take a look at the city centre. Suddenly I hear a kid screaming: “Grandpa, why the hell are you walking that way. Looks like you made a mess in your pants.” I am irritated at first than I burst out into laughter. Wow, a sentence definitely unimaginable in my childhood.
I enjoy a cup of coffee reflecting the day and the wonderful hiking experience.
