[:de]Zu Gast in Goslar: Facing Britain[:en]Facing Britain[:]
[:de]“Facing Britain“ heißt die Ausstellung, die derzeit im Goslaer Museum Mönchehaus zu sehen ist. Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die zuvor in anderen deutschen Städte zu sehen war. Facing Britain erhebt den Anspruch, die Entwicklung der britischen Gesellschaft von den 1960er Jahren bis heute zu dokumentieren. Was als Dokumentarfotografie begann, so unsere Leiterin durch die Aussstellung, endet mit künstlerischen Aufnahmen aus dem 21. Jahrhundert. Dabei stimmen Susanne und ich nicht mit allen Aussagen von Dorothee Prüssner überein, die uns heute durch die Ausstellung führt. Aber davon später mehr.
44 Fotografen, 250 Werke
Die Schau zeigt insgesamt 250 Werke von 44 verschiedenen Künstlern. Das ist eine Menge Holz. Und Prüssner will uns alle zeigen. Das ist ein bisschen viel. So entsteht bald das Gefühl, dass es im Schweinsgalopp durch die Jahrzehnte geht. Die Konzentration auf ein paar Highlights der Ausstellung, stellvertretend für die jeweilige Epoche, wäre hilfreich für die Orientierung gewesen.
Schwerpunkt der Ausstellung sind die 1970er und 1980er Jahre. Sicherlich zwei Jahrzehnte, die auch in anderen Ländern prägend waren. Im Mittelpunkt der Fotografie stehen Menschen, die den jeweiligen Zeitgeist illustrieren und sowohl für gesellschaftliche als auch politische Veränderungen stehen. Alle Entwicklungen werden aus dem Alltag der fotografierten Menschen dargestellt. Neben traditionellen Lebensgewohnheiten, wie der berühmte Five o’clock Tea, sind wir Zeuge von steifen „stiff upper lip“-Portraits im Kolonialstil, Ausschreitungen gegen die sozialen Grausamkeiten der Thatcher Ära und beobachten die Folgen des Niedergangs der Kohle- und Stahlindustrie in Form vom Schicksal gezeichnete Gesichter.
Die wilden 80er
Die roaring 80ies (nicht 20ies) mit ihrem ausschweifenden Partyleben werden regelrecht zelebriert und in freizügigen Szenen dargestellt. Die Ausgelassenheit zeigt sich sowohl im Kleidungsstil der Portraitierten, als auch in deren Posen und dem Alkohol- und Zigarettenkonsum. Die sexuell aufgeladene Atmosphäre wird ebenso in Grabschgesten und „shake what you have Baby“ Körperhaltungen deutlich. Die Fotos scheinen „who cares about tomorrow“ zu schreien.
Brexit und das Erbe einer Kolonialmacht
Die letzten Fotos der Ausstellung sind dem Brexit und dem Erbe aus der Britischen Kolonialzeit gewidmet. Migranten aus Indien, Afrika und anderen Ländern sind zu sehen, wie sie sich an ihre neue Heimat anpassen und hinter verschlossenen Türen ein Stückchen Heimat pflegen.
Und zum Schluss begegnen wir der Narzisse, dem Nationalsymbol von Wales. Die Blume wird in einer Fotoserie zusammen mit vier verschiedenen Personen dargestellt. Jedes Foto soll die Beziehung zwischen Mensch und Narzisse darstellen. Ist sie nah am Körper soll dies eine enge Beziehung zur Heimat verkörpern und vice versa.
Wir sind am Ende der Ausstellungsführung angelangt. Am Anfang des Rundgangs stand die Aussage, dass das Besondere, ja das Einmalige an der Schau sei, dass es noch nie eine solch geschlossene und vollständige Darstellung der sozialen und politischen Veränderungen eines Landes im Zeitraum von siebzig Jahren gegeben hätte. Ich habe es nicht ganz so wahrgenommen, da unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Jahrzehnten fotografiert wurden. Wäre eine Person in ihrer Veränderung durch die Jahrzehnte begleitet worden, wäre diese Aussage für mich nachvollziehbarer gewesen.
44 photographers, 250 pieces of art
The show displays altogether 250 pieces of art stemming from 44 different artists. That is quite a lot. And we are supposed to see them all on our guided tour. That’s a little bit too much. We get the feeling that we walk through the show in a kind of pig’s run. The concentration on a couple of hightlights, representing the particular era, would have been sufficient.
Focus of the exhibition are the 1970ies and 1980ies. Two decades, for sure, which were formative also in other countries. The center of the pictures are people who represent societal as well as political changes. The developments are being illustrated from the people’s point of view. Next to traditional life styles, such as the well-known Five o’clock Tea, where a witness of „stiff upper lips“ portraits, riots against social cruelties from the Thatcher era and observe the decline of the coal and steel industry.
The roaring 80ies
The roaring 80ies with its excessive party life are celebrated and pictured in revealing scenes. The high spirits are shown by the dress style als well as by the pose and the use of alcohol and cigarettes. The sexually supercharged atmosphere is also depicted with gestures of grabbing and a „shake what you have baby“ attitude. It seems like the picture cry out something like „who cares about tomorrow?“
Brexit and the legacy of the colonial times
The final fotos of the exhibition are dedicated to the Brexit and the legacy of the British colonial era. Migrants from India, Africa and other countries are shown in their new environment and how they struggle to adapt to a new culture and how they cultivate a piece of homeland behind closed doors.
We have reached the end of the guided tour. At the beginning there was the statement that such an exhibition, showing a closed and complete representation of the social and political changes of a country over a period of seventy years has never existed before. Well, we had a different notion o fit because different people have been photographed in different decades. In case only one person has been accompanied over the years, than that would have been a different story.
