Christina/ Mai 22, 2019/ Alltagsgeschichten

Auch abseits der „beaten tracks“ gibt es für passionierte Wanderer interessante Strecken zu entdecken. Wir begeben uns diesmal auf die Spuren des ehrlichsten Räubers seiner Zeit, dem Räuberhauptmann Rose. Dieser soll im 19. Jahrhundert sein Unwesen im Lappwald getrieben haben. Für seine Schandtaten wird er schließlich mit 15 Jahren Zuchthaus bestraft und letztendlich in die „neue Welt“, nach Amerika, abgeschoben. Von seinen Wirkungsstätten, einsamen Bahnhöfen und malerischen Landschaften möchte ich diesmal berichten.

Hier ist doch noch nie jemand ausgestiegen!

Das fängt ja schon gut an: Der Räuberhauptmann Rose-Rundweg (Lappwald RW28) beginnt eigentlich in Harbke. Da Harbke allerdings mit öffentlichen Verkehrsmitteln eher schlecht zu erreichen ist, starten wir unsere Rundtour am Bahnhof in Marienborn. Als wir dort aussteigen wollen, werden wir von jugendlichen Fußballfans mit dem erstaunten Ausspruch: „Hier ist ja noch nie jemand ausgestiegen“ begrüßt. Zugegeben, der Bahnhof, wenn man die Haltestelle so nennen möchte, ist nicht gerade stark frequentiert. Aber egal, wir haben unser Startziel erreicht. Das Wetter ist prächtig, die Stimmung ist perfekt und die Strecke macht, samt Ausschilderung, von A-Z an einen sehr guten Eindruck.

Der älteste Wallfahrtsort Deutschlands: Marienborn

Wir starten das Besichtigungsprogramm gleich in Marienborn. Wir erfahren, dass es sich bei der Gemeinde um den ältesten Wallfahrtsort Deutschlands handelt – alle Achtung! Im Ortskern stehen zunächst das ehemalige Kloster, die Orangerie, die alte Brauerei und natürlich die Marienkapelle auf dem Programm. Dann machen wir uns zum ersten Räuberhauptmann Rose-Gedenkpunkt auf: Der Räuberhöhle Marienborn. Von der Marienkapelle führt ein schmaler Pfad hinauf zur Höhle, die besichtigt werden kann. Ausgestattet mit zwei Taschenlampen machen wir uns ans Werk. In der Höhe nehmen wir einen stechenden Geruch wahr und entdecken schließlich die Gebeine eines toten Rehs. Die Tat eines Fuchs oder Beutereste vom Räuberhauptmann?

Feldherr Gneisenau

Wir verlassen Marienborn und haben als nächstes die Gedenkstätte des Feldherrn Gneisenau im Visier. Vorbei am Rastplatz König Friedrich Wilhelm IV kommen wir nach Sommerschenburg. Wir erreichen die monumentale Gedenkstätte kurze Zeit später und sind erstmal von der Größe und dem Pomp des Mausoleums beeindruckt. Über wunderschöne Feldwege und naturbelassene Wiesen (einen Bienenparadies) wandernd, stoßen wir nicht nur auf einen kläffenden Kleinköter, der sich völlig heiser bellt, sondern auch auf das Mausoleum einer wohlhabenden Familie. Vorbei an der Kirche des Ortes verlassen wir Sommersdorf wieder und laufen Richtung Harbke. Im Harbker Forst treffen wir auf die Wanderhütte Hartmannshausen. Wir sind immer mehr begeistert von der naturbelassenen Umgebung, der Stille und den guten Gerüchen.

Graf von Veltheim gibt sich die Kugel

Über einen weiteren wunderschönen Weg wandern wir nun auf unsere langersehnte Kaffeepause in der Orangerie Harbke zu. Vorher machen wir noch einen kurzen Stopp am sogenannten Hufeisen. Hier gab sich der Dichter Hans Graf von Veltheim angeblich die Kugel und setzte seinem Leben ein Ende. Kurze Zeit später erreichen wir den Schlosspark von Harbke und die wunderschöne Orangerie. Wir haben Glück und ergattern einen der letzten freien Open-Air-Plätze. Wir genießen bei Damengedeck, Bier und Eis, eine entspannte Pause und ein wenig das klassische Konzert aus dem Inneren der Orangerie.

Es muss nicht immer Harz sein

Bevor es zurück nach Marienborn geht, machen wir noch einen Schlenker durch den Ort: Räuberhauptmann Roses Liebesnest steht auf dem Programm (!!!). Naja, außer einer Plakette an einer Hausmauer ist nicht viel zu sehen. Da sind wir das erste Mal ein bisschen enttäuscht. Die Ernüchterung ist aber nicht von Dauer. Es geht wieder in den Wald und wir treffen auf die Räuberhöhle Harbke – ein sehr schöner Platz. Weiter durch den wunderschönen Wald und zuletzt durch die Feldmark erreichen wir glücklich und zufrieden sowohl unseren Ausgangspunkt als auch unseren Zug zurück nach Braunschweig.

Unser Fazit: Eine absolut empfehlenswerte Strecke, die ALLES bietet, was das Wandererherz begehrt. Also, es muss nicht immer der Harz sein.

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