Christina/ Juli 26, 2009/ Alltagsgeschichten

Was die Beteiligung arabischer Investoren in der deutschen Industrielandschaft betrifft, da mag man geteilter Meinung sein. Von anfänglicher Zurückhaltung geprägt liest man zwischenzeitlich Überschriften wie „Petrodollars sollen deutsche Autoindustrie retten“ (Spiegel-Online, 29.06.2009) oder gar: „Die Retter aus dem Morgenland“ (Titel des Manager Magazins 07/09).

Neu ist, dass nicht nur wie bisher Dubai, oft als Übermorgenland gepriesen, im Fokus steht, sondern jetzt auch weitere Stadtstaaten wie Abu Dhabi und Katar auf den Plan kommen. Dank sei der Finanzkrise, die der kleinen Schwester Abu Dhabis (Dubai und Abu Dhabi werden oft als Rivalen dargestellt) mehr zusetzte als anderen Golfstaaten.

Arabisch als neue „Lingua franca“?

Interessant ist auch, dass im Zuge der Berichterstattung von einigen „Karrierehelfern“ plötzlich das Arabische als Türöffner für eine erfolgsversprechende Karriere entdeckt wird. In dem Artikel „Vom Exot zum Türöffner“ von der Plattform www.karriere.de (01.07.2009) heißt es da vielversprechend: „Abu Dhabi, Katar und Dubai wachsen trotz Wirtschaftkrise weiter. Junge Deutsche nutzen als „neue Generation Golf“ ihre Karrierechancen vor Ort.“ Gelockt wird mit steuerfreiem Einkommen, schnellen Aufstiegen und einem tollen Partyleben. Von lokalen Arbeitsverträgen wird da gesprochen, um dem deutschen Fiskus zu entgehen. Klingt gut, aber bedeutet dies nicht auch, keine Renten- und Krankenversicherung? Nun, denn, „no risk, no fun“.

Wie andere Artikel gleicher Machart stellt auch dieser Bericht die sogenannten Macher und somit Gewinner der Generation Golf vor. Leute die, das wird beim Lesen schnell klar, es überall geschafft hätten. Reiner Zufall, dass sie ihr „Glück“ am Golf fanden?

Die Karawane zieht weiter

Spätestens bei der Lektüre des Zeitmagazins (Nr. 27, 25.06.09) kommt man ins Grübeln, ob alles Gold ist, was das so im Wüstensand glänzt. „Goodbye, Dubai“ titel das Magazin dann auch. Klingt irgendwie nicht nach Aufbruchstimmung? Harte Fakten sind da zu lesen, wie: „Wer entlassen wird in dieser Stadt, verliert auch sein Visum, Arbeitslose sind im Geschäftsmodell Dubai nicht vorgesehen.“ Oder auch: „Die Stadt zieht lauter dysfunktionale Leute an.“ Und später: „Später wird Hendrick (einer der arbeitslosen Expats, Anm. d. Red.) den Geländewagen zum Flughafen fahren und ihn dort stehen lassen, so wie das in den letzten Monaten Hunderte getan haben.“

Also zieht die Karawane weiter? Hoffnung macht uns das Manager-Magazin: „An deutschen Fachkräften fehlt es“, heißt es da, „obwohl der Job prima bezahlt wird und Abu Dhabi die Arbeitsverträge für Angestellte nach deutschen Kündigungsschutzregeln abgefasst hat.“ Next generation golf?

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