Christina/ September 8, 2012/ Kultur

Mehr aus Zufall als gewollt stand die vergangene Woche im Zeichen einiger filmischer Ereignisse, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Im Nachhinein betrachtet bilden alle Filme einen Zusammenhang: Es ging um Kultur. Es ging um Geld. Es ging um Macht. Es geht um Perspektivwechsel. Es geht um Verstehen.

Da ist der Film „Das Schwein von Gaza“. Worum es in dem Film geht, erzählt der Regisseur Sylvain Estibal hier selbst. Zum ‚Eingesperrtsein‘ der Palästinenser im besetzten Gaza-Streifen sagt Estibal im Interview: „Das Eingeschlossensein ist etwas Schreckliches. Psychologisch ist es doch furchtbar zu wissen, dass man nicht raus kann. Das ist etwas, was für uns Europäer unvorstellbar ist.“

Um eine andere Art des Eingesperrtseins geht es in dem mexikanisch-amerikanischen Film „Sin Nombre – Zug der Hoffnung„, der seinen eigenen Titel im Laufe der Handlung konterkariert. Thematisiert wird das hoffnungslose und gewaltdurchzogene Bandenleben in Mexiko, dargestellt an einem jungen Mann, der sich den letzten Rest Menschlichkeit zu bewahren sucht, in dem er ein Mädchen auf dem Weg von Honduras auf einem Güterzug in die USA, vor einer Vergewaltigung durch ’seinen Bandenchef‘ bewahrt, in dem er denselbigen mit der Machete tötet. Mit diesem Akt der ‚Nächstenliebe‘ unterzeichnet er sein eigenes Todesurteil und wird fortan von den Bandenmitglieder förmlich zu Tode gehetzt. Auch dies eine Situation der absoluten Ausweglosigkeit, wie sie kaum einem Europäer begegnet sein wird – außer vielleicht unseren Protagonisten des Sonntagabend Tatorts.

In der Folge „Fette Hunde“ beschreibt der ARD-Krimi aus der Reihe Tatort die Unmöglichkeit des Heimkommens und der Wiedereingliederung von Bundeswehr-Soldaten aus dem Irak in die deutsche Gesellschaft. Ein Thema, dass meines Erachtens noch zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert und diskutiert wird. Das Thema, wie werden Kriegstraumata aufgearbeitet? Erlebnisse deutscher Soldaten in Ex-Jugoslawien, am Hindukusch oder auch im Irak.

Und nicht nur von deutschen Soldaten, sondern von Soldaten im allgemeinen. Was es dann noch heißt, in einer ‚Soldaten-Familie‘ aufzuwachsen, in der Kriegstraumata unverarbeitet bleiben, zeigt der Film „Im Tal von Elah“. Das eigentlich Unfassbare an dem Film ist, dass man den Vater des ermordeten Soldaten dabei beobachten muss, dass er – geprägt durch seinen eigenen Erlebnisse im Vietnamkrieg – unfähig ist, den bestialischen Tod seines zweiten Sohnes (der erste Sohn war ebenfalls im Krieg umgekommen) emotional zu verarbeiten. Es fließt keine einzige Träne, nicht mal als er vor den total verkohlten und zerstückelten Leichenresten seines Sohnes steht. Da ist nichts. Außer Wut und den unbedingten Willen, die Täter zur Strecke zu bringen. Ganz zum Schluss allerdings, muss sich der Vater doch eingestehen, dass er mit seinem emotionslosen Verhalten am Tod seines Sohnes nicht ganz unbeteiligt gewesen ist. Ein Einsehen, das für den Vater unerträglicher zu sein scheint, als der Tod des Sohnes selbst.

Vier verschiedene Film. Vier verschiedene Länder. Vier verschiedene Kulturen. Und doch hängen alle miteinander auf irgendeine Art zusammen. Es gibt keine Sieger. It’s a small world – let’s face it. Das soll an dieser Stelle kein ‚Appell an das schlecht Gewissen‘ sein, aber eine Erinnerung daran, dass wir manchmal in einer ‚Blase der Glückseligkeit‘ leben und für die Geschehnisse um uns herum unempfänglich sind. Und dabei sind wir mittendrin.

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