Christina/ Januar 13, 2020/ Alltagsgeschichten

‚‚Oh, she’s a little runaway‘‘, sang John Bon Jovi in den 80ern, ob er da wohl schon Mabel kannte? Oder halten wir es lieber mit Götz Alsmann und seiner Mabel, mit Beinen krumm wie Säbel? Aber wer ist denn diese Mabel überhaupt? Es ist ein temperamentvollen Bobtail aus Wolfshagen, der gerne mal über Zäune springt und sich sonntags so richtig austobt. Aber das Glück dauert nicht allzu lange, denn was Mabel noch nicht weiß: Mit Hilfe der digitalen Medien ist es mittlerweile kein Problem mehr, entlaufende Hunde und deren Besitzer wieder zusammen zu bringen: Foto machen, bei Facebook postenund schon ist der Kontakt hergestellt. So auch bei Mabel.

Steinbruch am Westerberg
Wir starten unsere Tour mit fünf Hunden im Granetal bei Langelsheim – zunächst ohne Mabel. Von dort geht es über Stock und Stein und durch schlammige Wege zur Steinbruchstraße (Rundwanderweg 6 um den Diabas). Plötzlich taucht vor uns ein rätselhaftes mit grünen Ranken bedecktes, geisterhaftes und verlassenes Gebäude auf. Es ist wohl der alte Steinbruch am Westerberg, der Anfang der 1930er Jahre geschlossen wurde. Und dann kommt Mabel. Wir sind kurz vor Wolfshagen und sehen in der Ferne zwei Hunde. Einer wird von einer Frau an der Leine geführt, der andere läuft ihm lustig hinterher, fordert den anderen immer wieder zum Spielen auf. Aber, da hat „unser“ Bobtail die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der andere läuft stoisch neben seinem Frauchen her und beachtet Mabel gar nicht. Als Mabel dann unsere Gruppe mit den Hunden sieht, ist sie begeistert, das ist die Rettung eines trüben Sonntags. So viele Spielkameraden auf einmal, das kann ja nur ein guter Tag werden.

Kurz hinter Wolfshagen biegen wir steil links ab auf einen Panoramaweg Richtung Heimberg und folgen der Spur der Steine. Da haben wir Mabel bereits am Hacken. Der Hund macht einen geradezu spielsüchtigen Eindruck, so als wäre er lange nicht mehr unter Seinesgleichen gewesen. Die „Jungs“ trollen herum, toben sich aus und haben einfach nur Spaß. Aber was machen wir jetzt mit unserem zugelaufenen Vierbeiner und wird er allein den Weg zurück nach Hause finden?

Facebook oder dog’s book?
Die Hundebesitzer unter uns beraten sich. Schnell wird ein Foto von Mabel geschossen. Telefonisch wird dann arrangiert, dass das Foto auf Facebook gepostet wird. Unterdessen setzen wir unsere Wanderung Richtung Granetalsperre fort. Es weht eine sehr steife Brise an diesem Tag und es ist für Deutschland ungewöhnlich kalt: ca. drei Grad und das im Januar:-).

An der Dittmarsberg Quelle kommt endlich die Sonne durch die Wolken und taucht die Landschaft in ein schönes Licht. Wir erreichen die Granetalsperre und es zeichnet sich ab, dass das Abenteuer mit Mabel ein gutes Ende nehmen wird. Die Besitzerin hat sich gemeldet und wird ihren Hund an unserem Wanderparkplatz abholen.

Ist das schon Sylt?
Wir erreichen die Granetalsperre und fühlen uns wie auf dem Deich. Der Wind peitscht das Wasser so auf, dass es schäumt wie Sekt. Die Sonne glitzert auf dem Wasser. Mit den Erhebungen im Hintergrund wirkt die ganze Szenerie wie ein Fjord auf mich. Ich lasse mich noch etwas vom Wind nach vorne treiben, dann geht es steil bergab. Wir verlassen die Staumauer über eine Treppe und gehen, nein laufen aufgrund des starken Rückenwinds, wieder in Richtung Langelsheim.

An unserem Ausgangspunkt wartet bereits Mabels Besitzerin. Mabel ist wohl mit einem beherzten Sprung über den Gartenzaun getürmt – da hingen nämlich noch ihre langen Haare am Gitter. Natürlich ist sich das Tier keiner Schuld bewusst und schaut nach diesem Abenteuer fröhlich in die Runde. Die kleine Ausbüchserin hat sich einfach mal einen schönen Tag gemacht. So wie wir.

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