Da man als Frau bei Männern ja immer – wehleidig wie sie sind – mit einem Totalausfall rechnen muss, war an diesem Sonntag „Plan B“ angesagt. Mein Wanderkumpel erholte sich noch von einer MTB-Schwalbe und pflegte seine Prellungen. Was also tun? Nun, selbst ist die Frau. Statt einer ausgiebigen Stempeltour im Harz, wollte ich nach langer Zeit mal wieder mit dem MTB meine alte Runde durch das Naherholungsgebiet Reitlingstal machen. Aber, es kam noch viel besser als gedacht. Denn tatsächlich entpuppte sich meine Zufallsrunde als vierstündiger Glücksfall. Da ich meinen alten Streckenverlauf nicht mehr so genau im Kopf hatte, ließ ich mich etwas treiben und stellte dann im Reitlingstal fest, dass sowohl der Landkreis als auch die Gemeinde meine dreijährige Abstinenz genutzt hatten – ich war ja zwischenzeitlich ins Wanderlage gewechselt – um Fahrrad- als auch Wanderwege neu und vor allen Dingen besser auszuschildern.

So entdeckte ich hinter Erkerorde eine ganz neue Strecke durch den Wald, die nicht nur richtig schön ist, sondern mir auch die Fahrt auf dem von Sonntagsausflügern stark frequentierten Asphalt ersparte. Ich gebe zu, die Strecke ist insgesamt eher etwas für trainierte und ambitionierte MTB-Fahrer, aber zum Glück konnte ich ja mein eigenes Tempo bestimmen und musste mich nicht einer männlichen Begleitung anpassen. Männer können mich mit ihrer Attitüde „erster am Berg“ ja so herrlich langweilen. So bin ich also von Erkerode fast ununterbrochen durch den Wald bis zum Tetzelstein geheizt.

Von Tetzelstein, das ist Ehrensache, ging es über Ampleben zurück Richtung Braunschweig. Den Kick, den Berg, den ich schon mehrfach schwer erradelt hatte, nun hinunterzuschweben musste ich mir einfach gönnen. Kurz vor Ampleben führt ein Radweg nach rechts zuerst Richtung Evessen und dann Richtung Sickte. Unterwegs kann man noch den Tumulus von Evessen bestaunen! In Sickte geht es rechts ab in das Große Holz (Vorsicht Segelflieger und Schießanlage) und in Riddagshausen schließlich durch den Buchhorst und dann gemütlich über den Ölpersee zurück auf meinen Balkon für eine kleines Siesta. Eine sehr schöne Tour und mit insgesamt vier Stunden Fahrzeit eine gute Gelegenheit, sich in der Natur auszupowern, frei nach dem Motto: „Temperamentvolles Luxusgeschöpft sucht Beifahrer mit Chuzpe, Charme und Charakter.“

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