[:de]Großer Sassenburg Rundkurs[:en]The Great Sassenburg Circular Route[:]
[:de]Auf dem Großen Sassenburg-Rundkurs gibt es viel zu entdecken. Die über 50 km lange Fahrradtour führt vorbei an der Moorbahn in Westerbeck, durch das Naturschutzgebiet Allertal, sowohl der Tankum– also auch der Bernsteinsee werden passiert. Es geht entlang des Elbe-Seiten-Kanals (ESK), vorbei am Museum Großes Moor bei Neudorf-Platendorf. Der Rundkurs ist sehr gut ausgeschildert. Viele Informationstafeln führen den interessierten Radfahrer zudem in die Geschichte, der sechs Orte ein, die der Radweg miteinander verbindet.
Start an der Moorbahn
An der Moorbahn in Westerbeck beginnen wir unsere Tour. Die Denkmäler in Westerbeck sind neben zwei Eichen, Gedenkstätten anlässlich der Leipziger Völkerschlacht von 1813. Dem damaligen Sieg über Napoleon wurde zum 100-jährigen Jubiläum mit einem Findling gedacht. Vorbei am Brockenblick gelangen wir nach Dannenbüttel. Auf dem Maschplatz wurden zum Gedenken an den Sieg drei Linden und elf Eichen gepflanzt. Bedeutende Männer und Frauen aus der Zeit geben den Bäumen ihre Namen.Eine von ihnen ist Johanna Katharina Elisabeth Stegen: „In den Lüneburger Toren ward ein seltner Kampf gesehen, daß der Kampf nicht ging verloren, ist durch Mädchendienst gescheh’n.“ Frauenpower aus dem 19. Jahrhundert?
Sport und Spaß am Tankumsee
Wir radeln durch das herrliche Naturschutzgebiet Allertal. Am Ende stehen wir direkt vor dem Tankumsee. Das herrliche Spätsommerwetter lässt den See erstrahlen. Wir gönnen uns eine erste Trinkpause und genießen die Ruhe. Wir radeln weiter hinauf zum Elbe-Seiten-Kanal (ESK), der erst im Jahre 1976 fertiggestellt wurde. Wir sind auf dem Weg nach Grußendorf und dem Bersteinsee. Wir beobachten ein paar sehr gemütlich passierende Schiffe, deren Gelassenheit sich auf uns übertragt. Das ist so ein bisschen wie beim Tennessee Whisky von Jack Daniel‘s, wo es Lagerarbeiter Willburn Rutledge und Billy Dunn nicht eilig haben. Um das Beste zu erreichen, so heißt es in dem legendären Werbespot, sollte man überhaupt nichts tun.
Über eine Informationstafel erfahren wir, dass der ESK im Volksmund angeblich Heide-Suez-Kanal oder Heide-Highway genannt wird. Zwei Begriffe, die mir bis dato fremd waren.
Kröte in Schockstarre
Wir behalten unsere Gemütlichkeit bei und steuern zunächst entlang des ESK und später wieder im Wald auf Grußendorf zu. Holger zeigt plötzlich auf etwas, das auf dem Boden liegt. Es ist eine Kröte, die wohl im Begriff war, den Weg zu kreuzen. Als sie wohl die Bodenerschütterung wahrgenommen hat, verfällt sie in Schockstarre (https://www.galileo.tv/natur/reflexe-was-ist-das-tieren-welche-gibt-es/), damit ihre Feinde den Eindruck gewinnen, dass sie tot sei. Ihre Körperhaltung zeigt, dass sie sich eben noch fortbewegt hat. So ist das rechte Bein nach hinten gestreckt, wie in einer Gehbewegung, in der sich ganz plötzlich verharrt. Und es rührt sich wirklich gar nichts. Wir können nicht mal erkennen, ob sie atmet. Faszinierend, was die Natur für Schutzmechanismen entwickelt hat.
Wasserski am Bernsteinsee
Von Grußendorf aus radeln wir nach Stüde weiter. Hier machen wir am Bernsteinsee Halt, einem ehemaligen Baggersee, der seit 1971 ein Naherholungsgebiet ist. Bei dem schönen Wetter wird fleißig Wasserski gefahren. Besonders die Herren der Schöpfung werfen sich hier in Pause. Ist ja klar, bei den Groupies am Wasserrand. Auf einer Bank genießen wir die Szenerie auf dem glitzernden Wasser. Auch hier herrscht keine Hektik. Mit dem Wind, dem Strand und dem Wasser kommt schnell ein Küstenfeeling auf. Hier atmen wir nochmals tief durch bevor wir uns langsam, aber sicher auf den Rückweg machen.
Der Tigkerkäfig über dem Elbe-Seitenkanal
Unterwegs erwarten uns noch ein paar Highlights, wie z.B. der Tigerkäfig, der Blutige Knochen und das Museum am Großen Moor. Unter dem Begriff „Tigerkäfig“ können wir uns zunächst gar nichts vorstellen. Dann haben wir die Auflösung direkt vor uns: es handelt sich um eine Brücke, die über den Elbe-Seiten-Kanal führt. Erbaut wurde sie 1971 und zwischen 2010 und 2011 runderneuert. Sie verbindet den Charlottenhof mit Stüde. Das Bauwerk ist eine sogenannte Fachwerk-Stahlbrücke und wird deshalb Tigerkäfig genannt.
Am Blutigen Knochen
Wir aber sind neugierig auf den Blutigen Knochen. Das klingt so richtig schön gruselig und regt die Fantasie an. Zurecht. Bereits der Straßenname „Am Knüppeldamm“ lässt einiges vermuten. Früher muss es an der Kreuzung vom Knüppeldamm und dem Arnoldshof eine berüchtigte Kneipe namens „Zum Wahrenholzer Moor“ gegeben haben. Der Legende nach soll es in der Gaststätte unter den Besuchern immer wieder zu handfestem Streit gekommen sein. Natürlich nach dem entsprechenden Alkoholgenuss. Da flogen also die Fäuste, bis die Knochen blutig waren.
Eine zweite Erzählung behauptet, dass der Spitzname aus der Feindschaft zweier Familien entstanden sei, die ihre Streitereien an dieser Stelle ausgetragen hätten. Fakt ist jedoch, dass die Moorarbeiter immer samstags ihre Wochenlöhne erhielten und danach wohl im Wahrenholzer Moor eingekehrt sind. Zuletzt hieß die berühmte Gaststätte „Zum Heidewald“ und wurde Ende der 1990er Jahre jedoch geschlossen.
Museum „Großes Moor“
Als wir schon nicht mehr damit gerechnet haben, werden wir von einem weiteren geschichtlichen Höhepunkt überrascht, dem Museum „Großes Moor“. Hier faszinieren mich insbesondere drei geschichtliche Informationstafeln. Sie erzählen u.a. vom König Georg III von Hannover, der einen Vertrag mit Siedlern der Dörfer Neudorf und Platendorf schloss. Es ging um den Transport von Torf und eine Zollstation. Von dieser versprach sich der absolutistische Herrscher gute Einnahmen und die Siedler ihre Freiheit. Tatsächlich wurden beide Seiten enttäuscht. Während der König nur Geld verlor, ging es bei den Siedlern um Leben und Tod. Sie lebten in Armut und litten Hunger.
Die Rettung kam schließlich in Person von August Wegener, der in Triangel, eine Glasfabrik eröffnete. Er zwang den König, eine Suppenküche zu eröffnen. Die Siedler jedoch wollten nicht nur essen, sie wollten ihre Unabhängigkeit. Georg III ließ sich jedoch nicht erweichen, so dass die Siedler schlussendlich nach Amerika flohen.
Die Revolution von 1848
Neudorf-Platendorf, wie es mittlerweile heißt, hat bewegte Zeiten erlebt. Der Freiheitswille der Menschen war nicht mehr aufzuhalten. Sollte es auch noch siebzig Jahre dauern, bis die Diktatur in Deutschland beendet war. Der Schifffahrtskanal, der nur dem König nutzte, wurde zugeschüttet. Stattdessen baute man eine Dorfstraße für den Warentransport und mehrere Brücken, insgesamt 114 Stück. Die Bauten, zu denen auch Grundschulen gehörten, wurden von den Bürgern selbst finanziert.
Flüchtlinge in Neudorf-Platendorf
Dann kamen die Flüchtlinge. Aus heutiger Sicht ist diese Zahl besonders interessant. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Neudorf-Platendorf 1.074 Menschen, davon waren 686 Personen Flüchtlinge. Vertriebene und Einheimische wurden schnell Freunde, teilweise ein Leben lang. Nach dieser beeindruckenden Geschichtsstunde kann nichts mehr kommen. Nach drei Kilometern erreichen wir den Moorbahn-Bahnhof und damit unser Endziel.
Die Moorbahn ist tatsächlich noch aktiv – wenn auch nur zu touristischen Zwecken. An diesem Samstag fuhr sie jedoch nicht. Das ist aber auch nicht schlimm, so bleibt uns noch ein weiteres Ziel in dieser schönen Gegend und ein Grund nochmals wiederzukommen.
Starting at the Moor Railway
We start our tour at the Moor Railway in Westerbeck. The monuments in the village, along with two oaks, commemorate the Battle of Leipzig in 1813. The victory over Napoleon at that time was celebrated on its 100th anniversary with a boulder. We pass the Brockenblick and arrive in Dannenbüttel. At Maschplatz, three lime trees and eleven oaks were planted to commemorate the victory. Prominent men and women from that time lend their names to the trees. One of them is Johanna Katharina Elisabeth Stegen, to whom the following statement is attributed: „A rare battle was seen in the gates of Lüneburg, that the fight was not lost, happened through maiden’s service.“ Female power from the 19th century?
Sports and Fun at Tankumsee
We cycle through the beautiful Aller Valley Nature Reserve. At the end, we are right in front of Lake Tankum. The wonderful late summer weather makes the lake shine. We take our first drink break and enjoy the tranquility. We continue cycling up to the Elbe Side Canal (ESK), which was completed in 1976. We are on our way to Grußendorf and the Bernstein Lake. We observe a few ships passing by very leisurely, and their calmness transfers to us. It’s a bit like the Tennessee Whiskey by Jack Daniel’s, where dock workers Willburn Rutledge and Billy Dunn are in no hurry. To achieve the best, as the legendary commercial says, you should do absolutely nothing.
We learn from an information board that the ESK is allegedly called the Heide Suez Canal or Heide Highway in colloquial terms. Two terms that were unfamiliar to me until now.
Toad in Shock
We maintain our leisurely pace and initially follow the ESK, later returning to the forest towards Grußendorf. Suddenly, Holger points to something on the ground. It’s a toad that was about to cross the path. When it presumably sensed the ground disturbance, it goes into shock, pretending to be dead so that its predators think it’s deceased. Its posture shows that it was moving just moments ago. The right leg is stretched backward, as in a walking motion that suddenly froze. And there really is no movement. We can’t even tell if it’s breathing. It’s fascinating to see the protective mechanisms nature has developed.
Water Skiing at Bernsteinsee
From Grußendorf, we continue cycling to Stüde. Here we stop at Bernsteinsee, a former gravel pit turned recreational area since 1971. With the beautiful weather, water skiing is in full swing. Especially the gentlemen are taking a break here. It’s understandable, with the groupies by the water’s edge. We enjoy the scene on the sparkling water from a bench. There’s no rush here either. With the wind, the beach, and the water, a coastal feeling quickly sets in. We take a deep breath again before slowly and surely starting our way back.
The „Tiger Cage“ above the Elbe Side Canal
On the way, there are a few more highlights waiting for us, such as the „Tiger Cage,“ the „Bloody Bones,“ and the Museum at the Great Moor. Initially, we can’t imagine what the term „Tiger Cage“ refers to. Then, the resolution is right in front of us: it’s a bridge that crosses the Elbe Side Canal. It was built in 1971 and renovated between 2010 and 2011. It connects Charlottenhof with Stüde. The structure is a type of truss steel bridge, hence the name „Tiger Cage.“
At the „Bloody Bones“
However, we are curious about the „Bloody Bones.“ It sounds delightfully eerie and sparks the imagination. Rightly so. The street name „Am Knüppeldamm“ already suggests something. In the past, at the intersection of Knüppeldamm and Arnoldshof, there was apparently a notorious pub named „Zum Wahrenholzer Moor.“ According to legend, there were frequent physical fights among the patrons, fueled by alcohol. So, fists flew until the bones were bloody.
A second tale claims that the nickname arose from the rivalry between two families who settled their disputes at this location. The fact is, however, that the peat workers received their weekly wages on Saturdays and would then gather at the Wahrenholzer Moor. The famous inn was later called „Zum Heidewald“ but was closed in the late 1990s.
„Great Moor“ Museum
Just when we least expected it, we are surprised by another historical highlight, the „Great Moor“ Museum. Three historical information boards here fascinate me, in particular. They tell of King George III of Hanover, who made an agreement with settlers from the villages of Neudorf and Platendorf. It concerned the transport of peat and a toll station. The absolutist ruler expected good income from this and the settlers hoped for their freedom. In reality, both sides were disappointed. While the king only lost money, the settlers‘ lives were at stake. They lived in poverty and suffered hunger.
Rescue eventually came in the form of August Wegener, who opened a glass factory in Triangel. He forced the king to establish a soup kitchen. However, the settlers wanted more than just food; they wanted their independence. George III, however, remained unmoved, so the settlers eventually fled to America.
The Revolution of 1848
Neudorf-Platendorf, as it is called now, has seen eventful times. The people’s desire for freedom was unstoppable. It would still take seventy more years for the dictatorship in Germany to end. The shipping canal, which only served the king, was filled in. Instead, a village road for transporting goods and several bridges, a total of 114, were built. The constructions, including elementary schools, were financed by the citizens themselves.
Refugees in Neudorf-Platendorf
Then came the refugees. From today’s perspective, this number is particularly interesting. After World War II, Neudorf-Platendorf was home to 1,074 people, of whom 686 were refugees. Displaced people and locals quickly became friends, some for a lifetime. After this impressive history lesson, nothing more remains. After three kilometers, we reach the Moor Railway station and our destination.
The Moor Railway is actually still active, albeit only for tourist purposes. However, it wasn’t running this Saturday. But that’s alright too, as it leaves us with another destination in this beautiful area and a reason to come back again.
