Christina/ Februar 7, 2019/ Alltagsgeschichten

Bei dem Begriff “Harly” denke ich automatisch an Harley Davidson. Genauso rasant haben wir am Sonntag die Harlyhöhen erklommen. Zunächst wanderten wir von Vienenburg über den verschneiten Kammweg zum Harly-Turm, der leider erst wieder im Frühjahr geöffnet hat. Von dort ging es über den Mittelweg zu unserer nächsten Etappe: dem Mammutbaum. Nach einer kurzen Pause bleiben wir auf dem Mittelweg Richtung Weddingen und gehen schließlich entlang des Waldrandes zur Kräuter-August-Höhle. Nach kurzem Aufenthalt und weiten zehn Minuten erreichen wir unser Tagesziel: das Kloster Wöltingerode. Hier genießen wir die Brennerei-Führung mit anschließendem Umtrunk. Danach geht es gut gelaunt zurück nach Vienenburg, wo wir noch gemütlich einen Kaffee im Bahnhofs-Café trinken. Sowohl die Klientel als auch die Einrichtung erinnern uns an ein Altenheim: Linoleum-Fussboden und Krankheits-Gespräche.

Der Harly-Turm

Der 15-km lange Rundwanderweg vom Vienenburger-Bahnhof (Deutschlands ältester noch erhaltener Bahnhof) über den Harlyberg zum Kloster Wöltingerode hält einige Schmankerl bereit. Wer möchte kann unterwegs drei Mal Halt machen und einkehren: am Harly-Turm, im Klöster Wöltingerode und im Vienenburger-Bahnhof. Der erste Stopp am Harly-Turm blieb uns leider verwehrt, da das Café erst im Frühjahr wieder seine Pforten öffnet. Den Aussichtsturm hatte der Jude Jakobsen auf dem Harlyberg errichten lassen. Dieser hatte auch das nahegelegene Köster Wöltingerode erworben; musste dieses jedoch 1813 an die hannoversche Regierung abtreten, weil Juden kein Grundeigentum besitzen durften.

Der Turm wurde lange Zeit seinem Schicksal überlassen, bis 1986 durch den IGV restauriert und neu eingeweiht wurde. Heute, wie gesagt, kann er von Frühjahr bis Herbst an den Sonntagen besichtigt werden.

Ein Bäumchen steht im Wald

Wir verlassen den Harly-Turm unverrichteter Dinge und gelangen auf den Mittelweg, der uns zum Mammutbaum führt. Dieser ist als einziger von einer Pflanzung vor etwa 130 Jahren übrig geblieben. Gleich daneben hat der Forstdirektor Dr. H. Burckhardt seine letzte Ruhestätte erhalten. Wir gehen zurück zum Mittelweg, vorbei an einer Schutzhütte. Einen freundlichen Jogger fragen wir nach dem weiteren Weg. Wir laufen Richtung Weddingen und gehen nach einer Kehre am Waldrand entlang bis wir auf die „Kräuter-August-Höhle“ treffen. Einer Sage nach, soll der Kräuter-August in dieser Höhle im 18. oder 19. Jahrhundert gehaust haben. Beschrieben wird er als „rauer, zottiger aber gutmütiger alter Mann“. Seinen Namen hat er sich damit erworben, dass er Tipps zu Fundstellen für heilkräftige Kräuter gegeben hat.

Brennerei-Führung

Am Harly-Südrand, dem Bärental, treffen wir noch auf den Gedenkstein des Vienenburger Malers Fritz Laube. Jetzt wollen wir aber doch schnell unser Etappenziel, das Kloster Wöltingerode, erreichen, schließlich lockt uns die Brennereiführung mit Verkostung, die um 14 Uhr beginnen soll. Mit einem Gang über den Klostererlebnispfad lernen wir das Gelände etwas kennen. Die Führung durch die Klosterkirche und die alte Brennerei ist sehr interessant. Wir sind beeindruckt davon, wie lange es dauert und wie viele Schritte benötigt werden, um einen wirklich guten Tropfen zu erzeugen. Im Anschluss gönnen wir uns noch die Verkostung im Gutshaus, besonders der fruchtige Himbeergeist hat es uns angetan. Gut gelaunt geht es über den Hercyniaweg in knapp 30 Minuten zurück nach Vienenburg.

Am Bahnhof kehren wir in das gleichnamige Café ein. Nun, gemütlich ist es nicht. Es verbreitet sich Altenheim-Atmosphäre. Auch der Wirt ist nicht gerade überschwänglich. Wir amüsieren uns trotzdem gut und blicken auf einen wunderschönen und herrlichen entspannten Winterspaziergang zurück.

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