Christina/ September 24, 2019/ Alltagsgeschichten

Klar, Goethe mal wieder. Gibt es eigentlich Ecken in Europa, wo der deutsche Dichter nicht gewesen ist? Am 10. Dezember 1777, also vor 242 Jahren, soll er in Begleitung des Försters Degen seinen ersten Brockenaufstieg durchgeführt haben. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die Ausrüstung damals jenseits von beschichteter Kleidung und wasserfestem Schuhwerk ausgesehen haben mag. Aber die Mühe scheint sich ja gelohnt zu haben, denn immerhin ist die Wanderroute vom Torfhaus aus den Brocken nun nach ihm benannt. Und so die Legende weiter, haben Goethe auf dem Brocken besonders die beiden Gesteinsformationen – Teufelskanzel und Hexenaltar – fasziniert, so dass er beides in seinem „Faust“-Drama eingebaut hat. Soweit der Mythos.

Auf der Harzer Rennautobahn

Auch, wenn die sogenannte „Rennautobahn“ auf den Brocken nicht unbedingt zu meinen Liebings-Wanderwegen im Harz zählt, war der vergangene Sonntag ein besonders schöner Tag. Los ging es mit dem perfekten Wetter. Am Ausgangspunkt, dem Nationalparkhaus, begrüßte uns ein tiefblauer Himmel, wie er selbst in Italien schöner nicht sein könnte. Allernorts herrschte eine angenehme, tiefenentspannte Stimmung, die den ganzen Tag über anhielt.

Wir hatten bei dem Wetter mit einem Massenansturm auf den Brocken gerechnet, so waren wir positiv davon überrascht, dass es sich insgesamt doch um eine sehr überschaubare Besucherzahl handelte. Gleich bei unserer ersten Rast machten wir die Bekanntschaft mit einem badener Pärchen (Gelbfüssler). Ich weiß nicht, wie es kam und vielleicht ist es auch eine badische Sitte, auf jeden Fall fiel der Mann zur Begrüßung beim Hinsetzen erst einmal wie ein Käfer auf den Rücken. Ich hatte nichts damit zu tun, ich schwöre! Im Gespräch stellen wir schnell fest, dass das Laugengebäck im Süden einfach besser schmeckt und die Leute dort offener sind. Nun ja, fünf Jahre müssen sie noch in Niedersachsen durchhalten, dann geht es zurück gen Heimat nach Bruchsal. Aber, wir sind auch mit unserem Harz zufrieden.

Zwischen Lüneburger Heide und Toskana

Wir gehen weiter Richtung Gipfel und sind recht erstaunt, wie viel Neues wir oben entdecken. Wir erklimmen die Spitze des Brockens über den Brockenbahnhof. Tatsächlich entdecke ich zum ersten Mal den Hinweis auf den Brockengarten und das Schild mit der Teufeskanzel und dem Hexenaltar. Besonders schön blüht diesmal die Bergheide. Sie leuchtet in einem herrlichen rot und gibt der Landschaft ein spezielles Aussehen. Ich schwanke bei dem An- und Ausblick zwischen Lüneburger Heide und Toskana.

Oben genießen wir noch die letzten warmen Sonnenstrahlen bei einer Kaffeepause. Als die Sonne sich von den Bierbänken abwendet und es langsam kühler wird, treten wir den Rückweg an, der uns noch einmal durch das große Torfhausmoor führt, diesmal aber über die Holzplanken.

Zurück am Ausgangspunkt unserer Wanderung sind wir alle von diesem perfekten Tag verzaubert, an dem einfach alles gestimmt hat: perfekte Route, perfekte Gesellschaft, perfektes Wetter, tolle Stimmung. Solche Tage kann es meinetwegen öfter geben.

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